Sonntag, 11. April 2021 - Update (Yosemite National Park)

Nach meiner bis jetzt längsten Blog-Pause melde ich mich nun endlich wieder einmal mit einem kleinen Update. Mit vielen von euch war ich in den letzten Monaten via Facebook oder Whatsapp direkt in Kontakt, deswegen war mir gar nicht richtig bewusst, wie lange mein letzter Eintrag hier schon her ist!

Neo und mir geht es weiterhin gut und auch ich habe das Gefühl, dass ich mich hier trotz der Corona-Restriktionen immer mehr einlebe. Wir waren in den letzten Wochen und Monaten immer mal wieder unterwegs. Wir haben uns dabei natürlich an die Restriktionen gehalten: Immer eine Maske tragen und Hände waschen, keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, den Staat nicht verlassen und von anderen Menschen Abstand nehmen. Dennoch war ich nie ganz sicher: Soll/Kann ich anderen erzählen, dass wir am Wochenende einen Ausflug gemacht haben? Was denken die anderen dann? Ist das okay oder hätten wir nicht doch lieber zu Hause bleiben sollen? Geheimniskrämerei ist sonst gar nicht mein Ding, deswegen habe ich mich damit manchmal ein bisschen schwer getan. Auf der anderen Seite hatte ich aber auch keine Lust auf verurteilende oder abwertende Kommentare, weswegen ich mich mehrheitlich bedeckt gehalten habe. Was für verrückte Zeiten das doch sind...

Nun sind aber schon viele Leute geimpft (ich inklusive!) und die Fallzahlen gehen in Kalifornien immer mehr zurück. Deswegen sind wir von der violetten Zone zuerst in die rote und jetzt sogar in die orange Zone gekommen und es wurde bereits angekündigt, dass die Restriktionen wahrscheinlich Mitte Juni aufgehoben werden. Das lässt uns auch wieder lockerer werden und wir fühlen uns nicht mehr ganz so eingeschränkt.

Deswegen haben wir uns auch entschieden, über Ostern ein paar Tage wegzufahren. Wir waren im Yosemite National Park, für den man bis vor kurzen noch lange im Voraus eine Reservation machen musste, damit man überhaupt in den Park durfte. Nun ist das aber nicht mehr nötig, sodass auch Kurzentschlossene die Chance haben, in den Park zu kommen.

Übernachtet haben wir in einem alten Trailer in der Nähe des Parkeingangs. Wenn ich das so sage, merke ich, dass ich scho ein bisschen amerikanisiert bin. "In der Nähe" heisst in diesem Fall nämlich 30 Minuten bis zum Parkeingang und von dort noch einmal 45 Minuten bis ins Yosemite Valley, von wo aus man die schönsten Wanderungen machen kann. In der Schweiz hätte ich es nie in Betracht gezogen, täglich so weit zu fahren, um wandern zu gehen. Hier ist aber alles so weitläufig, dass 1 Stunde 15 Minuten gar nicht so viel zu sein scheint.

Der alte Trailer war ein echter Fall von "Glamping" - im Trailer gab es eine Toilette für kleine Geschäfte, für grosse musste man ein paar Meter bis zum Plumpsklo gehen. Es gab auch eine Outdoor-Dusche mit toller Sicht in die Natur. Der Trailer war sehr gemütlich, wenn auch etwas klein. Aber die meiste Zeit verbrachten wir ja sowieso im Park.

Der Yosemite National Park ist wunderschön. Ich war vor ein paar Jahren schon einmal mit einer guten Freundin da, das war im Sommer. Im Frühling sieht es im Park nochmal ganz anders aus. An gewissen Stellen lag noch Schnee, sodass noch nicht alle Wanderwege geöffnet waren. An anderen war die Schneeschmelze schon weit fortgeschritten, sodass die Wasserfälle im Park sehr viel Wasser führten. Viele dieser Wasserfälle kann man nur im Frühling oder Frühsommer sehen, danach trocknen sie wieder aus. Wir haben irgendwo gelesen, dass der Yosemite National Park einer der Orte ist, an denen es auf kleinstem Raum die meisten Wasserfälle gibt.

Ich finde die Weite der unberührten Natur, die man hier in den Nationalparks auch heute noch finden kann, sehr beeindruckend. Und jedes Mal frage ich mich: Wie war es wohl für die ersten Europäer, die diese Orte auf der Suche nach einem neuen zu Hause entdeckt haben? Wie haben hier wohl früher die Native Americans gelebt (das Wort Indianer ist hier nicht sehr beliebt und wird mehrheitlich vermieden)?

Wie an vielen dieser beeindruckend schönen Orte gab es auch im Yosemite National Park schon Menschen, lange bevor europäische Siedler diese für sich entdeckt haben. In der Mitte des 19. Jahrhunderts kamen aufgrund des Goldrausches immer mehr Menschen europäischer Abstammung nach Kalifornien. Die ersten Euro-Amerikaner, die das Yosemite Tal zu Gesicht gekriegt haben, waren Teil eines Bataillons. Im Jahr 1851 entdeckten sie das Tal auf der Suche nach den Ahwahneechee Native Americans, gegen welche sie aufgrund von Unstimmigkeiten Krieg führen wollten. Man kann sich ja vorstellen, wie das für die Ahwahneechee geendet hat.

Der Yosemite National Park ist einer der ersten Nationalparks der USA; er ist seit 1890 als Nationalpark anerkannt. In dieser Zeit hatte der Naturschutz noch keine hohe Priorität. Gerade deshalb finde ich es beachtlich, wie es dank der Bemühungen einzelner sehr engagierter Menschen möglich war, die Natur an solchen Orten vor übermässiger Ausbeutung zu schützen.

Nun möchte ich euch aber nicht weiter mit historischen Details langweilen, sondern noch ein paar Fotos mit euch teilen. Und ich hoffe, dass ich euch damit "gluschtig" mache, uns hier bald einmal zu besuchen. ;-)


Unsere Unterkunft in Groveland (30 Minuten vom Parkeingang)


"Loo with a view" und Outdoor-Dusche ;-)


Wanderung durchs Yosemite Valley, Sicht auf Half Dome


Wanderung durchs Yosemite Valley, Sicht auf die Upper Yosemite Falls


Nahe Parkeingang: Leider haben die Waldbrände auch vor dem Yosemite NP keinen Halt gemacht...


Ganz unverhofft: Wanderung durch den Schnee


Auf der Schneewanderung haben wir ein paar Sequoia Bäume gesichtet!



Sicht ins Yosemite Valley, wie die ersten Europäer es gesehen haben.
Links: El Capitan, Mitte hinten: Half Dome, Wasserfall: Bridalveil



Spaziergang zum Mirror Lake - woher kommt wohl der Name?


Bernal Falls mit Regenbogen


Wandert man von den Bernal Falls weiter, kommt man zu den weiter oben liegenden Nevada Falls.


Hetch Hetchy: Dieser Stausee versorgt sogar Teile von San Francisco mit Strom und Wasser!


Viele grosse und kleine Wasserfälle speisen den Hetch Hetchy Stausee.

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