Freitag, 7. Dezember 2018 - Werte und Richtlinien

Ihr seht richtig: Schon wieder ein Blogeintrag von mir! Der Grund ist einfach: Ich reise in einer Woche für die Weihnachtsferien in die Schweiz. Und ich komme nicht alleine, sondern bringe meinen Freund mit.

Wer den letzten Blogeintrag zu Ende gelesen hat, weiss bereits Bescheid. Für die anderen sage ich es hier noch einmal: Mein Freund ist Inder.

Und zwar ist er in Indien aufgewachsen ist. Er lebt seit knapp zwei Jahren in Dubai und reist auch geschäftlich ab und zu nach Afrika, Amerika oder Europa. In der Schweiz war er aber noch nie.

Seine Freunde haben ihn mal gefragt: "Wie geht das denn, mit jemanden von einer ganz anderen Kultur eine Beziehung zu führen?" Und ich bin sicher, dass sich das auch die Eine oder der Andere aus meinem Umfeld fragt (oder fragen wird).
Neo, so wird mein Freund genannt (das ist aber nur sein Spitzname, da sein richtiger Name schwer auszusprechen ist - pfff, Inder halt), hat darauf erwidert: "Nun ja, so schwierig ist das gar nicht."

Es stimmt, unsere Geschichten könnten unterschiedlicher nicht sein. Neo ist in einer Stadt aufgewachsen, die gleich viele Einwohner hat wie die ganze Schweiz. Während ich das heisse und feuchte Wetter in Dubai als schrecklich unangenehm empfinde, ist er die hohe Luftfeuchtigkeit aus Kalkutta gewohnt. Für mich schmecken im Endeffekt die meisten indischen Saucengerichte gleich, Neo hat bis zu seinem ersten Raclette noch nie so viel Käse auf einmal gegessen. Verlassen wir das Haus zeitlich knapp für ein indisches Fest, sind wir immer noch früh dran; passiert das Gleiche für ein deutsches Abendessen, kommen wir zu spät.

Man könnte die Liste noch ewig so weiterführen. Aber ich denke, es ist klar, worauf ich hinauswill. Manchmal denke und sage ich: "Ich glaube, wir kommen von zwei unterschiedlichen Planeten."

Aber so schwierig ist das gar nicht.

Zumindest nicht, wenn man mal die äusseren Einflüsse vernachlässigt. Eigentlich ist es schön. Es ist spannend und herausfordernd. Es braucht viel Kommunikation und viele Erklärungen. Und viel Offenheit.

Offenheit, sich selbst kennenzulernen. Über die eigenen Werte nachzudenken und diese zu hinterfragen. Zu merken, dass die Richtlinien, die man schon immer für bare Münze genommen und seit der Kindheit verinnerlicht hat, vielleicht gar nicht absolut sein müssen. Dass es mehr als einen Weg gibt, etwas zu machen oder zu sehen. Und dass der eigene Weg vielleicht nicht unbedingt der beste ist.

Das ist nicht immer einfach. Man merkt, dass man in gewissen Dingen gar nicht so flexibel und offen ist, wie man immer gemeint hat. Dass man vielleicht sogar falsch lag. Und man hat die Gelegenheit, seine Werte und Richtlinien zu überdenken und vielleicht sogar ein wenig zu justieren.

Das macht man, bewusst oder unbewusst, in all seinen (gesunden) zwischenmenschlichen Beziehungen. In einer interkulturellen einfach noch ein bisschen mehr. :-)

Ich freue mich schon unheimlich darauf, euch bald in der Schweiz wiederzusehen!

Liebe Grüsse, Rahel


Kommentare

  1. Mich würde es sehr wunder nehmen, wie Ihr Euch denn kennen gelernt habt!??

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    1. Das erzaehle ich dir sehr gerne einmal persoenlich oder per Whatsapp! :-)

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  2. Oh wie schön! Dann seid ihr wohl schon hier. Eine schöne Zeit euch!

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    1. Vielen Dank, es war echt toll, gemeinsam die Schweiz zu erkunden. :-) Nun sind wir schon seit einer Weile wieder zurück in Dubai und der Alltag hat mich wieder. Heute war ich aber beim Papst, mehr dazu gibt es im neuen Blogeintrag zu lesen. Wie geht es dir denn so?

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