Wenn ich mir meinen letzten Post anschaue, kann ich es kaum glauben. Wie konnte sich die Welt in weniger als 2 Monaten so drastisch verändern?
Ende Februar waren wir in Los Angeles, sind an der Strandpromenade von Venice Beach entlang spaziert und haben uns auf dem Santa Monica Pier mit anderen Touristen getummelt. Heute sind die Strände in Südkalifornien gesperrt und Los Angeles ist neben New York eine der am meisten betroffenen Regionen in den USA. Und wir sitzen hier in unserer Wohnung in Menlo Park und warten.
Warten, bis Neo wieder vom Büro aus arbeiten kann. Warten, bis meine Schule wieder aufmacht. Warten, bis man wieder Freunde treffen oder anständig einkaufen gehen kann. Warten bis dieser "Shelter in Place" ein Ende hat. Es ist verrückt, wie die normalsten Dinge nun plötzlich so unerreichbar scheinen.
Aber davon muss ich euch ja nichts erzählen, denn - egal wo auf der Welt ihr gerade seid - es geht euch genau gleich, wie uns. Der Fakt, dass es allen Menschen überall auf der Welt so geht, ist für mich mitunter das Verrückteste an der ganzen Situation.
Für Neo ist es nun schon die sechste Woche Home Office. Meine Schule macht seit 4 Wochen Distance Learning, nun haben wir eine Woche Ferien, danach soll es scheinbar noch bis zu den Sommerferien so weiter gehen.
Die Restriktionen sind seit langem immer gleich und ich erwarte auch nicht, dass sie noch strenger werden. Anders als meine Freunde in Dubai oder Neos Familie in Indien, dürfen wir auch weiterhin ohne spezielle Erlaubnis nach draussen. Man soll seine Wohnung aber natürlich nur im Notfall verlassen, weswegen wir morgen nach über 2 Wochen das erste Mal wieder in den Supermarkt gehen. Am Wochenende waren wir ein bisschen Velo fahren und wir gehen fast jeden Tag spazieren. Immer darauf bedacht, 6 feet Abstand zu den anderen Spaziergängern oder Velofahrern einzuhalten. Das wars.
Es gäbe natürlich vieles, was ich zum politischen Geschehen in den USA, meinen Sorgen für die Zukunft und meinem jetzigen Befinden sagen könnte. Ich versuche, mich hier auf das Wesentliche zu beschränken.
Donald Trump "handelt" diese Situation meiner Meinung nach sehr "poor" - davon kriegt ihr wahrscheinlich noch mehr mit, als wir hier. Ich versuche, die Medien so gut es geht zu meiden. Sehe ich doch einmal eine Ansprache von Trump, wird mir jedes Mal elend und ich kann kaum glauben, dass so ein Mensch die Verantwortung für Millionen andere hat und sich der Schwere der Lage nicht einmal bewusst zu sein scheint. Ist dieser Mann senil? Oder ist er einfach nur so sehr von sich selbst eingenommen, dass er nichts um sich herum mehr mitkriegt? Zum Glück hat Kalifornien einen guten Gouverneur und ich habe auch viel Vertrauen in den Verantwortlichen des San Mateo County, in dem wir leben. Ansonsten sähe es hier wohl ganz anders aus.
Ich mache mir, wie wahrscheinlich wir alle, auch Sorgen um die "small businesses" und wie diese den Shelter in Place überstehen werden. Was wird aus all den Menschen, die ihre Arbeitsstelle verlieren - wie wird die Regierung diese Leute unterstützen können? Was wird aus all den armen Menschen in Indien, die in Slums leben oder ihre Arbeit in der Stadt verlieren und deswegen zu Fuss bis zu 200 km zurück in ihre Dörfer gehen müssen? Und inwiefern werden die aus dieser Krise resultierenden wirtschaftlichen Probleme uns als Expats betreffen?
Ausserdem macht mich dieses ganze Distance Learning richtig fertig. Ich fühle mich so unglaublich verantwortlich für meine Schüler und habe ein schlechtes Gewissen, dass nun die Eltern meinen Job übernehmen müssen. Wie sehr mich das stresst merke ich gerade jetzt, wo wir eine Woche Ferien haben. Endlich kann ich wieder richtig schlafen und essen, ohne dass meine Gedanken im Karussell ihre Kreise drehen.
Neben all diesen schwierigen Gedanken und Gefühlen versuche ich aber, auch das Positive zu sehen. Denn ganz objektiv betrachtet sind wir in einer sehr komfortablen Lage. Wir können beide von zu Hause aus arbeiten und verdienen weiterhin unseren normalen Lohn. Wir haben ein Dach über dem Kopf und können jederzeit in den nahegelegenen Park, um uns den Kopf zu verlüften. Unseren Familien geht es so weit gut und alle sind sicher. Wir haben einander und müssen nicht, weit weit weg von zu Hause, alleine ausharren, bis das alles vorbei ist.
Was ich damit sagen möchte: Uns geht es gut. In den letzten Tagen haben sich immer wieder Leute bei mir gemeldet und nachgefragt, ob bei uns alles okay ist. Sie hätten in den Medien gesehen, wie schlimm die Lage an gewissen Orten in den USA ist.
So weit ich das beurteilen kann, ist hier wo wir sind ist alles mehr oder weniger unter Kontrolle. Nordkalifornien, besonders die Bay Area südlich von San Francisco, hat schon früh Massnahmen ergriffen. Wir erwarten in ein paar Tagen scheinbar den Peak an Corona-Kranken. Danach wir hoffentlich alles wieder besser.
Bis es so weit ist versuche ich, meinen Schülern und deren Eltern aus der Ferne so gut es geht zu helfen. Wir kaufen auch lokal ein und unterstützen damit die kleineren Unternehmen, so gut wir halt können. Und Neo arbeitet daran, Informationen über Social Media auch für bildungsferne Menschen in Entwicklungsländern einfacher zugänglich zu machen. In Zeiten wie diesen ist es wichtiger denn je, dass alle ihren Beitrag leisten - möge er noch so klein sein.
Ob ich im Sommer in die Schweiz reisen kann, steht bis jetzt noch nicht fest. Das hängt nicht nur von den Reiserestriktionen, sondern auch meiner Visums-Lage ab. Ich hoffe sehr, dass ich reisen kann und wäre sehr traurig, wenn es nicht möglich wäre. Aber in erster Linie ist es jetzt wichtig, dass alle gesund bleiben und sich Sorge tragen. Und ich weiss, dass ich euch alle bald wiedersehen werde.
Machets guet!
Ende Februar waren wir in Los Angeles, sind an der Strandpromenade von Venice Beach entlang spaziert und haben uns auf dem Santa Monica Pier mit anderen Touristen getummelt. Heute sind die Strände in Südkalifornien gesperrt und Los Angeles ist neben New York eine der am meisten betroffenen Regionen in den USA. Und wir sitzen hier in unserer Wohnung in Menlo Park und warten.
Warten, bis Neo wieder vom Büro aus arbeiten kann. Warten, bis meine Schule wieder aufmacht. Warten, bis man wieder Freunde treffen oder anständig einkaufen gehen kann. Warten bis dieser "Shelter in Place" ein Ende hat. Es ist verrückt, wie die normalsten Dinge nun plötzlich so unerreichbar scheinen.
Aber davon muss ich euch ja nichts erzählen, denn - egal wo auf der Welt ihr gerade seid - es geht euch genau gleich, wie uns. Der Fakt, dass es allen Menschen überall auf der Welt so geht, ist für mich mitunter das Verrückteste an der ganzen Situation.
Für Neo ist es nun schon die sechste Woche Home Office. Meine Schule macht seit 4 Wochen Distance Learning, nun haben wir eine Woche Ferien, danach soll es scheinbar noch bis zu den Sommerferien so weiter gehen.
Die Restriktionen sind seit langem immer gleich und ich erwarte auch nicht, dass sie noch strenger werden. Anders als meine Freunde in Dubai oder Neos Familie in Indien, dürfen wir auch weiterhin ohne spezielle Erlaubnis nach draussen. Man soll seine Wohnung aber natürlich nur im Notfall verlassen, weswegen wir morgen nach über 2 Wochen das erste Mal wieder in den Supermarkt gehen. Am Wochenende waren wir ein bisschen Velo fahren und wir gehen fast jeden Tag spazieren. Immer darauf bedacht, 6 feet Abstand zu den anderen Spaziergängern oder Velofahrern einzuhalten. Das wars.
Es gäbe natürlich vieles, was ich zum politischen Geschehen in den USA, meinen Sorgen für die Zukunft und meinem jetzigen Befinden sagen könnte. Ich versuche, mich hier auf das Wesentliche zu beschränken.
Donald Trump "handelt" diese Situation meiner Meinung nach sehr "poor" - davon kriegt ihr wahrscheinlich noch mehr mit, als wir hier. Ich versuche, die Medien so gut es geht zu meiden. Sehe ich doch einmal eine Ansprache von Trump, wird mir jedes Mal elend und ich kann kaum glauben, dass so ein Mensch die Verantwortung für Millionen andere hat und sich der Schwere der Lage nicht einmal bewusst zu sein scheint. Ist dieser Mann senil? Oder ist er einfach nur so sehr von sich selbst eingenommen, dass er nichts um sich herum mehr mitkriegt? Zum Glück hat Kalifornien einen guten Gouverneur und ich habe auch viel Vertrauen in den Verantwortlichen des San Mateo County, in dem wir leben. Ansonsten sähe es hier wohl ganz anders aus.
Ich mache mir, wie wahrscheinlich wir alle, auch Sorgen um die "small businesses" und wie diese den Shelter in Place überstehen werden. Was wird aus all den Menschen, die ihre Arbeitsstelle verlieren - wie wird die Regierung diese Leute unterstützen können? Was wird aus all den armen Menschen in Indien, die in Slums leben oder ihre Arbeit in der Stadt verlieren und deswegen zu Fuss bis zu 200 km zurück in ihre Dörfer gehen müssen? Und inwiefern werden die aus dieser Krise resultierenden wirtschaftlichen Probleme uns als Expats betreffen?
Ausserdem macht mich dieses ganze Distance Learning richtig fertig. Ich fühle mich so unglaublich verantwortlich für meine Schüler und habe ein schlechtes Gewissen, dass nun die Eltern meinen Job übernehmen müssen. Wie sehr mich das stresst merke ich gerade jetzt, wo wir eine Woche Ferien haben. Endlich kann ich wieder richtig schlafen und essen, ohne dass meine Gedanken im Karussell ihre Kreise drehen.
Neben all diesen schwierigen Gedanken und Gefühlen versuche ich aber, auch das Positive zu sehen. Denn ganz objektiv betrachtet sind wir in einer sehr komfortablen Lage. Wir können beide von zu Hause aus arbeiten und verdienen weiterhin unseren normalen Lohn. Wir haben ein Dach über dem Kopf und können jederzeit in den nahegelegenen Park, um uns den Kopf zu verlüften. Unseren Familien geht es so weit gut und alle sind sicher. Wir haben einander und müssen nicht, weit weit weg von zu Hause, alleine ausharren, bis das alles vorbei ist.
Was ich damit sagen möchte: Uns geht es gut. In den letzten Tagen haben sich immer wieder Leute bei mir gemeldet und nachgefragt, ob bei uns alles okay ist. Sie hätten in den Medien gesehen, wie schlimm die Lage an gewissen Orten in den USA ist.
So weit ich das beurteilen kann, ist hier wo wir sind ist alles mehr oder weniger unter Kontrolle. Nordkalifornien, besonders die Bay Area südlich von San Francisco, hat schon früh Massnahmen ergriffen. Wir erwarten in ein paar Tagen scheinbar den Peak an Corona-Kranken. Danach wir hoffentlich alles wieder besser.
Bis es so weit ist versuche ich, meinen Schülern und deren Eltern aus der Ferne so gut es geht zu helfen. Wir kaufen auch lokal ein und unterstützen damit die kleineren Unternehmen, so gut wir halt können. Und Neo arbeitet daran, Informationen über Social Media auch für bildungsferne Menschen in Entwicklungsländern einfacher zugänglich zu machen. In Zeiten wie diesen ist es wichtiger denn je, dass alle ihren Beitrag leisten - möge er noch so klein sein.
Ob ich im Sommer in die Schweiz reisen kann, steht bis jetzt noch nicht fest. Das hängt nicht nur von den Reiserestriktionen, sondern auch meiner Visums-Lage ab. Ich hoffe sehr, dass ich reisen kann und wäre sehr traurig, wenn es nicht möglich wäre. Aber in erster Linie ist es jetzt wichtig, dass alle gesund bleiben und sich Sorge tragen. Und ich weiss, dass ich euch alle bald wiedersehen werde.
Machets guet!
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