Samstag, 15. Juni 2019 - Jordanien

Wie im letzten Blogeintrag angekündigt, berichte ich nun über meine Reise nach Jordanien. Letzte Woche hatten wir nämlich eine Woche frei, da Ramadan zu Ende war und Muslime dies mit einem grossen Fest, Eid genannt, gefeiert haben.

Es war eine sehr tolle Reise! Da Neo geschäftlich in New York war, entschied ich mich, alleine Ferien zu machen. Mit dem Hintergedanken, hoffentlich nette Leute kennenzulernen, habe ich mir ein Einzelzimmer in einer Jugendherberge genommen.

Ich flog am Dienstagmorgen von Dubai nach Amman (2,5 Stunden). Bereits kurz vor Mittag war ich dann bereits in der Jugendherberge - ich finde es immer wieder verrückt, wie schnell man dank der Möglichkeit, per Flugzeug zu reisen, von seiner gewohnten Umgebung in eine völlig neue Welt kommt!

Ich konnte gerade mal einchecken und schon fragte mich ein netter Herr von der Jugendherberge, ob ich Interesse hätte, am Nachmittag auf eine Tour zum Mount Nebo und zum Toten Meer mitzugehen. Es gäbe da ein junges Pärchen, das noch jemanden suchen würde. Zwar hatte ich vorgehabt, mir an diesem Tag Amman anzuschauen, aber ich sagte spontan zu. Amman konnte ich schliesslich jederzeit auf eigene Faust erkunden, aber vielleicht war es nicht immer so einfach, Leute für einen Ausflug zu finden.

Kurz nach Mittag wurden wir dann von unserem Fahrer abgeholt. Das chinesisch Pärchen, von dem nur der Mann Englisch sprach, sass hinten. Ich durfte vorne neben dem einheimischen Fahrer sitzen. Wir haben versucht, uns zu unterhalten, sein Englisch schien aber noch schlechter zu sein, als mein Arabisch. Wir schafften es dennoch, ein paar Worte miteinander zu wechseln.

Zuerst fuhr uns der nette Herr zum Mount Nebo. Auf dem Weg dorthin hielten wir bei einer griechisch-orthodoxen Kirche an. Mir war nicht bewusst gewesen, dass in Jordanien, genauso wie im Libanon, Muslime und Christen grösstenteils friedlich nebeneinander leben. Der Fahrer sagte mir aber, dass die Christen eine klare Minderheit darstellen.

Bevor wir beim Mount Nebo ankamen, machten wir noch einen Zwischenstopp bei so etwas wie einem Museum. Der Fahrer meinte, da könne man sehen, wie Mosaike hergestellt werden. Mosaike sind, so erfuhr ich, eine Besonderheit dieser Gegend. Ich war ein wenig irritiert, als in diesem Museum dann verschiedenen Szenen aus der Bibel und dem Koran, sowie Alltagsszenen aus Jordanien dargestellt wurden. Auch Militäruniformen waren ausgestellt. Es sah alles ziemlich zusammengewürfelt aus. Ich fragte mich bereits, wo denn das Mosaik ist, als wir in einen grossen Laden geführt wurden. Dort hätte man dann Mosaik kaufen können - Stühle, Tische, Bilder usw.. Ab 10kg Ware, so stand es auf einem Schild, hätte man es sogar kostenlos nach Hause ins Heimatland geschickt bekommen! Ich entschied mich trotz des tollen Angebots dafür, nichts zu kaufen. ;-)

Nach diesen zwei Zwischenstopps fuhren wir dann zum Mount Nebo. Man sagt, dass Moses von dieser Stelle aus das erste Mal das verheissene Land gesehen hat. Deswegen gibt es dort eine Gedenkstätte und eine sehr schöne Kapelle. In der Kapelle hielt gerade eine ausländischeReisegruppe einen Gottesdienst, während andere Leute hineingingen, um die alten Mosaike zu bestaunen.

Nachdem wir einmal um die Kapelle herumspaziert waren, fuhr unser Fahrer uns zum Toten Meer. Das war eine kurze Fahrt von etwa 30 Minuten, alles bergab. Am Toten Meer besuchten wir ein "Resort". Unser Fahrer erklärte, dass man da Eintritt bezahlen müsse, dafür aber auch Toiletten und Duschen, sowie einen Pool zur Verfügung habe. Das klang gut.

Für das, was geboten wurde, waren die Eintrittspreise dann aber übertrieben. Der Zugang zum Toten Meer war total ungepflegt. Es lag Abfall herum. Die Toiletten und Duschen waren dreckig und nur die Hälfte funktionierte. Das fiel mir an diesem Tag und auf der ganzen Reise immer wieder auf: Die Landschaft, das Land, alles ist sehr beeindruckend und wunderschön. Leider tragen die Menschen aber keine Sorge dazu, weshalb überall Müll herumliegt. Und dennoch muss ich sagen, ist es keine günstige Feriendestination und es wird für alles Eintritt verlangt. Das finde ich ein wenig widersprüchlich.

Der Schwumm im Toten Meer war aber dennoch ein tolles Erlebnis. Man kann tatsächlich kaum gerade im Wasser treiben - der Auftrieb dreht einen immer automatisch auf den Rücken! Nach einer Abkühlung im Pool fuhren wir um etwa 17.00 Uhr dann wieder zurück nach Amman, wo wir eine gute Stunde später ankamen. Nach einem kleinen Abendessen in der Stadt ging ich früh schlafen.


In der griechisch-orthodoxen Kirche: Auch hier gab es auf dem Boden alte Mosaike zu bestaunen.


Die Sicht vom Mount Nebo in Richtung Israel. Links sieht man das Tote Meer.

In der Kapelle auf dem Mount Nebo: Auf sehr schöne Weise wurde die neue Kapelle um die Ruinen einer vorherigen Kapelle herum gebaut. Die heutige Kapelle ist nun gleichzeitig ein Gotteshaus und eine archäologische Stätte, was ich eine sehr tolle Idee finde.

Das Tote Meer


Am Mittwoch stand ich relativ früh auf. Da ich noch keine Pläne hatte, musste ich schliesslich zusehen, was ich an diesen Tag machen wollte. Beim Frühstück sah ich dann auch wieder diesen Chinesen vom Vortag, der mich am Vorabend gefragt hatte, ob ich wieder mit ihnen mitfahren wollte. Er schien aber nicht mehr sehr an dieser Idee interessiert zu sein und ass nur laut schmatzend sein Frühstück. Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber mich nerven laute Essgeräusche immer extrem.

Gegenüber von diesem Chinesen sass ein anderer junger Mann. Ich schaute ihn an, um zu sehen, ob er sich auch so nervte, wie ich. Er schaute mich ebenfalls an - und wir kamen ins Gespräch. Er hiess Jaime, war ursprünglich aus Madrid, lebte seit 8 Monaten in Qatar und arbeitete dort in einem neuen Museum als Konservator und Restaurator. Da er ebenfalls alleine unterwegs war und sich ein Auto gemietet hatte, lud er mich ein, ihn zu begleiten. Er wollte zum Wadi Rum, dort übernachten und am nächsten Tag weiter nach Petra fahren. Das klang genau nach dem, was ich auch vor hatte, deshalb sagte ich gerne zu.

Wir fuhren beinahe 4 Stunden, bis wir beim Wadi Rum ankamen. Es war eine tolle Fahrt, da wir die Route entlang des Toten Meeres nahmen, was landschaftlich sehr schön war. Von unserer Seite des Toten Meeres aus sahen wir auf der anderen Seite Israel, was ich irgendwie eindrücklich fand. Diese Gegend ist der Schauplatz so vieler biblischer Geschichten und ich fand es einfach nur toll, das mal mit eigenen Augen sehen zu können. Es war fast so, wie wenn man am Drehort eines berühmten Filmes ist!

Jaime und ich unterhielten uns gut und so verging die Zeit wie im Flug. Am Nachmittag kamen wir dann beim Wadi Rum an. Dort wurde uns direkt von einem Einheimischen namens Abdullah (klar, was auch sonst ;-)) erklärt, wie alles ablaufen würde. Man könne entweder einfach so eine Tour durch das Wadi machen, die etwa 4 Stunden dauern sollte. Danach werde man wieder zum Eingang des Wadis gebracht. Oder man könne in einem Camp im Wadi übernachten. Trotz der saftigen Preise entschieden wir uns für letzteres - wann hat man schon einmal die Gelegenheit zu einem solchen Abenteuer?

Als wir dann auf dem offenen Jeep mit einfachem Stoff-Sonnensegel sassen und ins Wadi hineinfuhren, sah das Wetter nicht besonders freundlich aus. Und tatsächlich regnete es kurze Zeit später! Obwohl es deswegen ein wenig ungemütlich war, genossen wir den Regen doch sehr. Regen in der Wüste - das hatten wir beide noch nie erlebt. Das Wetter war während unserer Fahrt durch das Wadi sehr wechselhaft. Es regnete einige Male mehr oder weniger heftig, aber jedes Mal nur einige Minuten. Dann gab es starken Wind und dadurch kleine Sandstürme. Anschliessend brannte dann wieder die Sonne von Himmel. Wir erlebten also das volle Programm.

Der Jeep hielt an verschiedenen, besonders schönen Stellen im Wadi. An den meisten Orten gab es Beduinenzelte, in denen die Touristen sich Souvenirs kaufen konnten. Die Fahrer der Touristengruppen sassen im Zelt um ein Feuer und tranken Tee, währen sie auf ihre Gruppen warteten. Das Wetter setzte mir ziemlich zu und so sass ich an vielen Orten einfach mit den Einheimischen im Zelt und wartete, bis Jaime seine Fotos gemacht hatte und die Fahrt weiterging.

Um etwa 18.00 Uhr kamen wir dann bei unserem Camp an. Es gibt im Wadi Rum unzählige Camps, die alle gleich aussehen: Einige kleinere Schlafhütten für die Touristen, ein Toilettenhaus, eine Küche und ein Zelt, in dem gegessen wird. Alles war sehr schön eingerichtet und es gab sogar Duschen, was mich sehr überraschte. Und: Die Duschen und Toiletten waren sauber! In Anbetracht der Tatsache, dass wir so weit weg vom Dorf irgendwo im Nirgendwo waren, hätte ich das nicht erwartet.

Beim Abendessen lernten wir ein paar neue Leute kennen: Zwei britische Lehrerinnen, die in Kuwait leben und einen jungen Polen, der in Wien lebt und sich nun für eine Stelle bei Emirates in Dubai beworben hat. Ausserdem war da noch ein Italiener, der in Dubai lebt. Ihr seht also, Jordanien ist ein beliebtes Reiseziel für Leute, die in der der Gulfregion arbeiten.

Nachdem wir ein grosses Stück der Strecke an der Küste und danach durch die flache Wüste gefahren waren, führte uns das letzte Stück des Weges zum Wadi Rum durch eine gebirgige Gegend.

Im Wadi Rum - es hatte gerade aufgehört zu regnen.

Und hier regnete es wieder, gerade als wir in einer Felsspalte herumkletterten.

Langsam scheint die Sonne wieder!

Unser Camp im Wadi Rum




Nach einer kurzen und nicht ganz so erholsamen Nacht standen wir am Donnerstag früh auf, um den Sonnenaufgang zu sehen. Da es noch immer ein wenig bewölkt war, war dieser leider nicht so toll, wie wir erhofft hatten.

Weil es in der Wüste relativ früh schon ziemlich warm ist, assen wir früh Frühstück und wurden dann auch bald wieder zurück zu unseren Autos gebracht. Dafür holte uns wieder Abdullah ab. Er fuhr durch die Wüste wie ein Verrückter, ich fand es gar nicht toll. Er schien es aber zu geniessen, uns Europäerinnen (die Britinnen waren im gleichen Auto) ein bisschen Angst einzujagen. Als ich ihm das sagte, grinste er bloss breit.

Vom Wadi Rum bis nach Petra waren wir ungefähr eine Stunde unterwegs. Es war noch früh, als wir in Petra ankamen, dennoch war es bereits sehr heiss. Petra ist sehr eindrücklich und man kann stundenlang durch die Ruinen wandern und die alten Monumente und aus Stein gehauenen Tempel bewundern.

Wir verbrachten den ganzen Tag da und legten etliche Kilometer zu Fuss zurück. Ich würde mich nicht als sportlich, aber doch als einigermassen fit bezeichnen. In Petra habe ich aber gemerkt, wie sehr mit die Hitze zusetzt. Ich hatte grosse Mühe, mit Jaime mitzuhalten und er musste sich sehr an mein Tempo anpassen. Das war mir ein wenig unangenehm, aber was sollte ich tun? Schlussendlich haben wir aber doch alles gesehen, was wir wollten.

Und auch in Petra ist uns wieder aufgefallen, wie wenig Sorge die Menschen in Jordanien zu ihren wichtigen Touristenattraktionen tragen. Der Eintritt war sehr teuer (75 Franken für einen Tag herumwandern in Petra). Ich bezahle diesen Preis gerne, wenn ich sehe, dass der Ort dafür auch in Schuss gehalten wird. In Petra aber sahen wir viel Müll herumliegen. Das fand ich sehr schade.

Von Petra zurück nach Amman fuhren wir etwa 3 Stunden mit dem Auto. Ich war froh, dass ich nur Beifahrerin sein musste. Es waren lange 3 Stunden und ich war sehr erschöpft. Deswegen bin ich ohne Abendessen direkt ins Bett, als wir wieder in Amman ankamen. Jaime war, wie er mir am nächsten Tag erzählte, noch bis um 3.00 Uhr unterwegs - ich weiss echt nicht, wie er das macht!

In Petra sieht man neben den bekannten und sehr schön geformten Gebäuden auch immer wieder einfache, in den Stein gehauene Türen. Wo sie wohl hinführen?

Auch hier gibt es an vielen Stellen Zelte, in denen Leute Souvenirs verkaufen. Zum Glück ist "SIT FOR FREE". ;-)

Wir mussten etwa eine Stunde wandern, bis wir an dieser Stelle ankamen. Es ging steil bergauf über Treppen, die vor Jahrhunderten von den Menschen in den Fels gehauen wurden! Auf dem Weg zum Aussichtspunkt trafen wir zwei meiner Arbeitskollegen aus Dubai an.

So sieht es an vielen Orten in Petra aus. Schmale Wege führen bergauf zu den Sehenswürdigkeiten. Neben den vielen Leuten teilt man sich den Weg auch mit Eseln, welche Touristen, aber auch Güter (z.B. Wasser) transportieren.



Am Freitag war ich dann alleine unterwegs. Nach dem gemeinsamen Frühstück verabschiedeten Jaime und ich uns voneinander. Er wollte noch ein paar Sehenswürdigkeiten mit dem Auto abklappern, während ich mich zu Fuss auf den Weg machte.

Ich war wieder etwa 2 Stunden zu Fuss in Amman unterwegs und habe verschiedene Monumente und Sehenswürdigkeiten gesehen: Die Zitadelle, das römische Theater und der Gemüsemarkt. Ich genoss es, einfach so durch die Strassen zu schlendern. Zur Mittagszeit ass ich ein Shawarma auf der Terrasse eines netten Restaurants.

Zitadelle in Amman: Das sind die Überbleibsel das Tempels für den Gott Herkules.

Die Aussicht von der Zitadelle hinunter auf das römische Theater und die Stadt. In Amman haben im Laufe der Jahrhunderte vielen verschiedene Herrscher ihren Einfluss geübt. Das sieht man noch heute, wenn man die berühmten Monumente des besucht.


Um 15.00 Uhr war ich dann wieder in der Jugendherberge. Von dort aus fuhr mich ein Taxi zurück zum Flughafen. Natürlich war ich - wie immer -  viel zu früh am Gate.

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