Ich war in Delhi!
Dieses Wochenende hat Neos Mitbewohner geheiratet und wir waren zur Hochzeit eingeladen. Aus arbeitstechnischen Gründen konnten wir leider nicht länger als drei Tage bleiben. Obwohl es so ein kurzer Aufenthalt war, bin ich noch immer völlig begeistert und eingenommen von all den neuen Eindrücken und den Dingen, die ich erleben durfte. Daran möchte ich euch gerne teilhaben lassen.
Tag 1: Ankunft in Delhi
Früh morgens sind wir in Delhi gelandet. Während Neo durch die Passkontrolle spazierte, durfte ich 45 Minuten bei Immigration anstehen, wo ich mein Visum vorweisen musste. Indien wird wohl einer der wenigen Orte bleiben, an denen es so abläuft; meistens wird es andersrum sein.
Wir assen etwas kleines am Flughafen. Beim Anstehen fragte ein Inder Neo: "Are you from Germany?" Als wir diese Geschichte zwei Tage später einem von Neos Freunden erzählten, sagte dieser: Ich verstehe nicht ganz, welche Eigenschaft an dir dich wie ein Deutscher aussehen lässt... oh, ich glaube, es ist Rahel." - Ich erwiderte: "Ja, ich glaube auch, dass ich diese europäische 'Eigenschaft' bin..." :D
Wir fuhren mit einem Uber eine Stunde zu dem Hotel, in dem wir wohnen und in dem alle Feierlichkeiten stattfinden würden. Der Verkehr war verrückt: Hupen, schlechte Strassen und dann fahren die erst noch auf der falschen Seite! ;-) Ich war froh, als wir endlich ankamen.
Nachdem wir uns ein wenig ausgeruht hatten, fuhren wir mit einem Taxi in die Stadt. Dort besuchten wir das Qutb Minar, ein Minarett aus dem 12. oder 13. Jahrhundert. Das Wetter war schön und recht kühl und das Minarett sah in der Abendsonne wunderschön aus.
Von Qutb Minar ging es mit einer motorisierten Rikscha (einem "auto") weiter zu einem Viertel, in dem es Bars und Restaurants gibt. Auf dem Weg sprachen Neo und ich nicht viel, dafür plauderte er mit dem Fahrer. Dieser fragte ihn, woher er komme und woher 'Madam' sei. Nach einem kurzen Gespräch meinte er dann: "Ach, du bist also der Reiseführer von 'Madam'?" Neo lachte, schüttelte den Kopf und erklärte.
Um kurz nach 20.00 Uhr traten wir den Weg zurück zum Hotel an. Der Uber Fahrer hielt noch einmal kurz, damit wir Magentabletten (zur Vorsorge) in einer Drogerie kaufen konnten. Dann standen wir etwa eine Stunde im Stau. Wir brauchten für die Strecke, für welche wir vorhin etwa eine Stunde benötigten, knapp 2 Stunden. Willkommen im indischen Strassenverkehr.
Um 22.15 Uhr kamen wir endlich im Hotel an. Der Bräutigam, Anshul, hatte Neo schon vorher informiert, dass es noch bis um 23.00 Uhr Abendesssen geben würde und wir dachten, wir schauen schnell vorbei um Anshul und seiner Verlobten Swati hallo zu sagen. Was mir nicht klar war: Wir trafen auch die ganze Familie.
Ich wusste bereits, dass man in Indien aus Respekt vor älteren Leuten die Füsse seines Gegenübers anfasst. Aber ich war nicht darauf vorbereitet, wie genau man das macht. So war ich ein wenig ratlos, als ich plötzlich vor all den Grosseltern und den Eltern stand und deren Füsse anfassen sollte. Aber man verzieh mir mein Unwissen. Alle waren sehr nett - man hatte bereits über mich gesprochen und die Familie freute sich sehr, eine Ausländerin an der Hochzeit begrüssen zu dürfen. Anshul pries dann auch noch unseren Tanz an, den wir ja am kommenden Abend vor der Hochzeitsgesellschaft vorführen würden.
In Indien ist es üblich, dass Familie und Freunde an der Hochzeit für das Brautpaar eine Choreographie vortanzen. Neo und ich hatten uns bereits die ganze Woche überlegt, was und wie wir tanzen sollten, konnten uns aber für nichts entscheiden und hatten deshalb gedacht, dass wir auf die Performance verzichten würden. Nun gab es aber kein zurück mehr, das wussten wir beide. Also gingen wir um etwa 23.30 Uhr zurück ins Hotelzimmer und übten noch etwa 1,5 Stunden unseren Tanz ein.
Tag 2: Mehendi und Sangeet
Etwas vorab: Alle verschiedenen Anlässe dieser Hochzeit begannen mit mindestens 2 Stunden Verspätung. Die Leuten nennen das scherzend "Indian Standard Time".
Mehendi sollte um 10.00 Uhr anfangen. Ich wusste, dass es etwas mit dem Bemalen der Hände zu tun hatte (Mehendi ist Henna). Aber auch nachdem man begonnen hatte, mir mein Mehendi zu malen, wartete ich weiter auf den eigentlichen Beginn der Feier. Ich schaute zu, wie der Braut, welche auf einer Bühne auf einem Sofa sass, ein sehr aufwändiges Mehendi an Händen und Füssen gemalt wurde. Wir unterhielten uns mit verschiedenen Leuten und machten Fotos. Wir assen Kekse und tranken Tee.
Irgendwann um 16.00 Uhr löste sich die Gesellschaft auf und erst da realisierte ich, dass das schon die ganze Feier gewesen war. Eine weitere Eigenheit indischer Feiern: Es gibt keinen eindeutigen Anfang und kein Ende. Leute kommen und gehen, währenddessen geschehen verschiedene Dinge.
Sangeet, das Fest bei dem getanzt wird, sollte um 18.00 Uhr beginnen. Als wir um etwa 19.30 Uhr wieder bei dem Pool waren, wo auch Mehendi stattgefunden hatte, passierte da noch nichts. Doch wenig später trafen die Braut und der Bräutigam ein. Sie setzten sich auf ein Sofa und schauten zu, wie Cousins, Cousinen, Geschwister, Eltern, Grosseltern und Freunde auf der Bühne tanzten. Auch Neo und ich traten auf und die Leute hatten eine riesige Freude. Sie waren begeistert von meinen dance moves. :D Da es eine Punjabi Hochzeit war, haben wir extra ein Punjabi Lied und Tanzbewegungen eingebaut, was natürlich besonders gut ankam.
Wir unterhielten uns mit Anshuls Chefs, die beide ebenfalls extra für die Hochzeit von Dubai nach Delhi geflogen waren. Daneben tanzten wir viel. Es war sehr lustig. Um Mitternacht assen wir dann etwas vom Buffet und kurz darauf gingen wir aufs Zimmer. Einige Freunde und Anshul wollten sich noch für eine Afterparty in einem der Hotelzimmer treffen. Wir gingen auch kurz vorbei, aber alle schienen ziemlich müde und so lagen wir bald in unseren Betten.
Tag 3: Hawan, Sehra Bandhi, Dwar Pooja und Pheraas
Um ganz ehrlich zu sein: Ich weiss nicht, welche dieser Bezeichnungen für welche Feier steht, die an diesem Tag stattgefunden hat; an Tag 3 wurden viele sehr traditionelle hinduistische Rituale ausgeführt.
Eines davon fand in einem Hotelzimmer statt. Das Zimmer war vollgestopft mit Leuten, die Frauen sangen traditionelle Lieder. Währenddessen wurde der Bräutigam an Stirn, Schultern, Knien und Füssen mit gelber Farbe bestrichen. Jede Person führte dieses Ritual zunächst bei Anshul aus und berührte anschliessend seine eigene Stirn. Das Ganze wurde 7mal gemacht. Ich durfte natürlich auch. ;-)
Später gab es auf der Terrasse ein Ritual mit einem hinduistischen Priester. Es wurde wieder gesungen und der Priester streute Blütenblätter über den Bräutigam und seine Eltern. Jemand kam mit einer heiligen Flamme herum, über welche man seine Hände hielt, bevor man dann seinen Kopf berührte.
Noch später, kurz bevor das eigentliche Fest anfing, sass der Bräutigam dann in einem Raum, wo er die Geschenke empfing. Da hatte er bereits seine Kleider fürs Fest an. Neben im sass der Junior-Bräutigam, welchen man bei Punjabi Hochzeiten anstelle von Trauzeugen hat.
Kurz nach dieser Feier bewegte sich dann die ganze zum Bräutigam gehörende Festgemeinde nach draussen. Bräutigam und Junior setzten sich auf ein Pferd, das dann für die "Reise" gefüttert wurde. Der Bräutigam sollte nämlich die Braut traditionellerweise bei sich zu Hause abholen (in diesem Falle war es natürlich im gleichen Hotel an einem anderen Ort). Dabei tanzen Familie und Freunde des Bräutigams vor dem Pferd, damit die Prozession nicht zu schnell vorwärts kommt. Das symbolisiert: 'Es ist nicht so einfach, unseren Freund zu heiraten - da muss man sich schon bemühen!'
Die Prozession wurde von einer Band begleitet, die mich sehr an Guggemusig erinnert hat. Wir tanzten und bewegten uns so langsam zu einem Festzelt hin, an dessen Eingang die Familie und Freunde der Braut warteten. Dort gab es dann eine Diskussion zwischen dem Bräutigam und der Familie der Braut und es wurde symbolisch ein Betrag ausgehandelt, den der Bräutigam für die Braut zu bezahlen hatte.
Hinter dem Festzelt gab es wieder ein Buffet, an dem man sich bedienen konnte. Im angrenzenden grossen Saal wurde Musik gespielt und der Bräutigam sass auf einem Sofa auf einer Bühne und wartete auf seine Braut. Ein Fotograph nötigte Neo und mich zu einem extrem kitschigen, bollywood-mässigen Föteli. Neo fand es schrecklich, ich war amüsiert und hoffe, dass wir das Foto dann auch irgendwie zugestellt kriegen!
Die Braut kam dann um etwa 22.00 Uhr an und wurde von ihrer Familie durch den Saal zur Bühne geführt. Ich stand gemeinsam mit ihrer Mutter auf der Bühne und wir warteten, bis sie die Bühne betrat. Das war mir ein wenig unangenehm, aber die Mutter hatte mich darum gebeten.
Danach gab es noch mehr Musik und Tanz und man konnte anstehen, um Fotos mit dem Brautpaar zu machen. Wir verliessen das Fest um etwa 23.15 Uhr, nachdem wir uns bei den Familien verabschiedet hatten. Wir mussten noch am selben Abend wieder zurück nach Dubai fliegen.
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so berührt und begeistert von einer Reise war. Die Freundlichkeit und Wärme der Menschen, die Selbstverständlichkeit, mit der ich willkommen geheissen wurde. Ich war und bin so dankbar dafür, dass ich teilhaben durfte an diesem Fest. Alle, die schon einmal die Möglichkeit hatten, eine solch andere Kultur auf diese Weise zu erleben, wissen, wovon ich spreche. Es ist berührend und hat mich mit so viel Zufriedenheit erfüllt. Ich habe viel Neues gelernt und erlebt. Und ich kann es kaum erwarten, wieder nach Indien zu reisen!
Dieses Wochenende hat Neos Mitbewohner geheiratet und wir waren zur Hochzeit eingeladen. Aus arbeitstechnischen Gründen konnten wir leider nicht länger als drei Tage bleiben. Obwohl es so ein kurzer Aufenthalt war, bin ich noch immer völlig begeistert und eingenommen von all den neuen Eindrücken und den Dingen, die ich erleben durfte. Daran möchte ich euch gerne teilhaben lassen.
Tag 1: Ankunft in Delhi
Früh morgens sind wir in Delhi gelandet. Während Neo durch die Passkontrolle spazierte, durfte ich 45 Minuten bei Immigration anstehen, wo ich mein Visum vorweisen musste. Indien wird wohl einer der wenigen Orte bleiben, an denen es so abläuft; meistens wird es andersrum sein.
Wir assen etwas kleines am Flughafen. Beim Anstehen fragte ein Inder Neo: "Are you from Germany?" Als wir diese Geschichte zwei Tage später einem von Neos Freunden erzählten, sagte dieser: Ich verstehe nicht ganz, welche Eigenschaft an dir dich wie ein Deutscher aussehen lässt... oh, ich glaube, es ist Rahel." - Ich erwiderte: "Ja, ich glaube auch, dass ich diese europäische 'Eigenschaft' bin..." :D
Wir fuhren mit einem Uber eine Stunde zu dem Hotel, in dem wir wohnen und in dem alle Feierlichkeiten stattfinden würden. Der Verkehr war verrückt: Hupen, schlechte Strassen und dann fahren die erst noch auf der falschen Seite! ;-) Ich war froh, als wir endlich ankamen.
| Ganz das Klischee: Kühe auf der Strasse |
| Qutb Minar |
Von Qutb Minar ging es mit einer motorisierten Rikscha (einem "auto") weiter zu einem Viertel, in dem es Bars und Restaurants gibt. Auf dem Weg sprachen Neo und ich nicht viel, dafür plauderte er mit dem Fahrer. Dieser fragte ihn, woher er komme und woher 'Madam' sei. Nach einem kurzen Gespräch meinte er dann: "Ach, du bist also der Reiseführer von 'Madam'?" Neo lachte, schüttelte den Kopf und erklärte.
Um kurz nach 20.00 Uhr traten wir den Weg zurück zum Hotel an. Der Uber Fahrer hielt noch einmal kurz, damit wir Magentabletten (zur Vorsorge) in einer Drogerie kaufen konnten. Dann standen wir etwa eine Stunde im Stau. Wir brauchten für die Strecke, für welche wir vorhin etwa eine Stunde benötigten, knapp 2 Stunden. Willkommen im indischen Strassenverkehr.
Um 22.15 Uhr kamen wir endlich im Hotel an. Der Bräutigam, Anshul, hatte Neo schon vorher informiert, dass es noch bis um 23.00 Uhr Abendesssen geben würde und wir dachten, wir schauen schnell vorbei um Anshul und seiner Verlobten Swati hallo zu sagen. Was mir nicht klar war: Wir trafen auch die ganze Familie.
Ich wusste bereits, dass man in Indien aus Respekt vor älteren Leuten die Füsse seines Gegenübers anfasst. Aber ich war nicht darauf vorbereitet, wie genau man das macht. So war ich ein wenig ratlos, als ich plötzlich vor all den Grosseltern und den Eltern stand und deren Füsse anfassen sollte. Aber man verzieh mir mein Unwissen. Alle waren sehr nett - man hatte bereits über mich gesprochen und die Familie freute sich sehr, eine Ausländerin an der Hochzeit begrüssen zu dürfen. Anshul pries dann auch noch unseren Tanz an, den wir ja am kommenden Abend vor der Hochzeitsgesellschaft vorführen würden.
In Indien ist es üblich, dass Familie und Freunde an der Hochzeit für das Brautpaar eine Choreographie vortanzen. Neo und ich hatten uns bereits die ganze Woche überlegt, was und wie wir tanzen sollten, konnten uns aber für nichts entscheiden und hatten deshalb gedacht, dass wir auf die Performance verzichten würden. Nun gab es aber kein zurück mehr, das wussten wir beide. Also gingen wir um etwa 23.30 Uhr zurück ins Hotelzimmer und übten noch etwa 1,5 Stunden unseren Tanz ein.
Tag 2: Mehendi und Sangeet
Etwas vorab: Alle verschiedenen Anlässe dieser Hochzeit begannen mit mindestens 2 Stunden Verspätung. Die Leuten nennen das scherzend "Indian Standard Time".
Mehendi sollte um 10.00 Uhr anfangen. Ich wusste, dass es etwas mit dem Bemalen der Hände zu tun hatte (Mehendi ist Henna). Aber auch nachdem man begonnen hatte, mir mein Mehendi zu malen, wartete ich weiter auf den eigentlichen Beginn der Feier. Ich schaute zu, wie der Braut, welche auf einer Bühne auf einem Sofa sass, ein sehr aufwändiges Mehendi an Händen und Füssen gemalt wurde. Wir unterhielten uns mit verschiedenen Leuten und machten Fotos. Wir assen Kekse und tranken Tee.
Irgendwann um 16.00 Uhr löste sich die Gesellschaft auf und erst da realisierte ich, dass das schon die ganze Feier gewesen war. Eine weitere Eigenheit indischer Feiern: Es gibt keinen eindeutigen Anfang und kein Ende. Leute kommen und gehen, währenddessen geschehen verschiedene Dinge.
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| Neo und ich während Mehendi |
Sangeet, das Fest bei dem getanzt wird, sollte um 18.00 Uhr beginnen. Als wir um etwa 19.30 Uhr wieder bei dem Pool waren, wo auch Mehendi stattgefunden hatte, passierte da noch nichts. Doch wenig später trafen die Braut und der Bräutigam ein. Sie setzten sich auf ein Sofa und schauten zu, wie Cousins, Cousinen, Geschwister, Eltern, Grosseltern und Freunde auf der Bühne tanzten. Auch Neo und ich traten auf und die Leute hatten eine riesige Freude. Sie waren begeistert von meinen dance moves. :D Da es eine Punjabi Hochzeit war, haben wir extra ein Punjabi Lied und Tanzbewegungen eingebaut, was natürlich besonders gut ankam.
Wir unterhielten uns mit Anshuls Chefs, die beide ebenfalls extra für die Hochzeit von Dubai nach Delhi geflogen waren. Daneben tanzten wir viel. Es war sehr lustig. Um Mitternacht assen wir dann etwas vom Buffet und kurz darauf gingen wir aufs Zimmer. Einige Freunde und Anshul wollten sich noch für eine Afterparty in einem der Hotelzimmer treffen. Wir gingen auch kurz vorbei, aber alle schienen ziemlich müde und so lagen wir bald in unseren Betten.
Tag 3: Hawan, Sehra Bandhi, Dwar Pooja und Pheraas
Um ganz ehrlich zu sein: Ich weiss nicht, welche dieser Bezeichnungen für welche Feier steht, die an diesem Tag stattgefunden hat; an Tag 3 wurden viele sehr traditionelle hinduistische Rituale ausgeführt.
Eines davon fand in einem Hotelzimmer statt. Das Zimmer war vollgestopft mit Leuten, die Frauen sangen traditionelle Lieder. Währenddessen wurde der Bräutigam an Stirn, Schultern, Knien und Füssen mit gelber Farbe bestrichen. Jede Person führte dieses Ritual zunächst bei Anshul aus und berührte anschliessend seine eigene Stirn. Das Ganze wurde 7mal gemacht. Ich durfte natürlich auch. ;-)
Später gab es auf der Terrasse ein Ritual mit einem hinduistischen Priester. Es wurde wieder gesungen und der Priester streute Blütenblätter über den Bräutigam und seine Eltern. Jemand kam mit einer heiligen Flamme herum, über welche man seine Hände hielt, bevor man dann seinen Kopf berührte.
Noch später, kurz bevor das eigentliche Fest anfing, sass der Bräutigam dann in einem Raum, wo er die Geschenke empfing. Da hatte er bereits seine Kleider fürs Fest an. Neben im sass der Junior-Bräutigam, welchen man bei Punjabi Hochzeiten anstelle von Trauzeugen hat.
Kurz nach dieser Feier bewegte sich dann die ganze zum Bräutigam gehörende Festgemeinde nach draussen. Bräutigam und Junior setzten sich auf ein Pferd, das dann für die "Reise" gefüttert wurde. Der Bräutigam sollte nämlich die Braut traditionellerweise bei sich zu Hause abholen (in diesem Falle war es natürlich im gleichen Hotel an einem anderen Ort). Dabei tanzen Familie und Freunde des Bräutigams vor dem Pferd, damit die Prozession nicht zu schnell vorwärts kommt. Das symbolisiert: 'Es ist nicht so einfach, unseren Freund zu heiraten - da muss man sich schon bemühen!'
| Anshul und sein Julior-Bräutigam auf dem Pferd |
Die Prozession wurde von einer Band begleitet, die mich sehr an Guggemusig erinnert hat. Wir tanzten und bewegten uns so langsam zu einem Festzelt hin, an dessen Eingang die Familie und Freunde der Braut warteten. Dort gab es dann eine Diskussion zwischen dem Bräutigam und der Familie der Braut und es wurde symbolisch ein Betrag ausgehandelt, den der Bräutigam für die Braut zu bezahlen hatte.
Hinter dem Festzelt gab es wieder ein Buffet, an dem man sich bedienen konnte. Im angrenzenden grossen Saal wurde Musik gespielt und der Bräutigam sass auf einem Sofa auf einer Bühne und wartete auf seine Braut. Ein Fotograph nötigte Neo und mich zu einem extrem kitschigen, bollywood-mässigen Föteli. Neo fand es schrecklich, ich war amüsiert und hoffe, dass wir das Foto dann auch irgendwie zugestellt kriegen!
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| Ein Foto von Anshuls Schwester und mir - ich war begeistert von ihrem Kleid! |
Die Braut kam dann um etwa 22.00 Uhr an und wurde von ihrer Familie durch den Saal zur Bühne geführt. Ich stand gemeinsam mit ihrer Mutter auf der Bühne und wir warteten, bis sie die Bühne betrat. Das war mir ein wenig unangenehm, aber die Mutter hatte mich darum gebeten.
Danach gab es noch mehr Musik und Tanz und man konnte anstehen, um Fotos mit dem Brautpaar zu machen. Wir verliessen das Fest um etwa 23.15 Uhr, nachdem wir uns bei den Familien verabschiedet hatten. Wir mussten noch am selben Abend wieder zurück nach Dubai fliegen.
Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so berührt und begeistert von einer Reise war. Die Freundlichkeit und Wärme der Menschen, die Selbstverständlichkeit, mit der ich willkommen geheissen wurde. Ich war und bin so dankbar dafür, dass ich teilhaben durfte an diesem Fest. Alle, die schon einmal die Möglichkeit hatten, eine solch andere Kultur auf diese Weise zu erleben, wissen, wovon ich spreche. Es ist berührend und hat mich mit so viel Zufriedenheit erfüllt. Ich habe viel Neues gelernt und erlebt. Und ich kann es kaum erwarten, wieder nach Indien zu reisen!


Deine Kleider waren aber auch nicht übel!!! Schön, dass Du so eintauchen konntest. Die Magentabletten hast Du nicht benötigt???
AntwortenLöschenDanke! :-) Nein, überraschenderweise habe ich das Essen gut vertragen...
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