Freitag, 2. November 2018 - Städtereise nach Beirut

Letzte Woche hatten wir ein langes Wochenende. Da hat es sich angeboten, einen kurzen Trip zu machen - ich habe mir dafür Beirut, die Hauptstadt des Libanon ausgesucht. Also bin ich am Dienstagabend mit einer Arbeitskollegin für drei Tage in den Levant geflogen.

Ich finde es interessant, wie sich mit einem Wohnortswechsel auch die Reisedestinationen für Kurzurlaube ändern. Würde ich von der Schweiz aus vielleicht einen Städtetrip in den Norden oder nach Rom, Barcelona oder Paris unternehmen, ist Beirut von hier aus ein sehr beliebtes Reiseziel.


Wir kamen spät am Dienstagabend an und sind nach einigen Komplikationen am Flughafen gut in unserem Hotel mitten in Beirut angekommen. Ich hatte mich vor der Reise kaum informiert und wusste somit nichts über den Libanon, ausser dass die Leute dort arabisch und französisch sprechen. Dementsprechend war ich sehr gespannt auf die kommenden Tage.


Mittwoch:
Am Mittwoch waren wir den ganzen Tag zu Fuss in Beirut unterwegs. In Beirut selber gibt es nicht sehr viel zu sehen, weshalb uns ein Tag gut gereicht hat, um alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Die wichtigsten davon waren:

- Downtown
- Die Mohammed-Al-Amin Moschee
- Die Corniche

Beirut hat mich an einigen Orten sehr an Marokko erinnert: Es ist dreckig, laut und der Verkehr ist verrückt. Eine wunderbare Abwechslung zu Dubai! Ich genoss es sehr, durch die Strassen zu schlendern.

Die Leute in Beirut gehen automatisch davon aus, dass man arabisch spricht. Deswegen sprechen sie einen zum Teil auf der Strasse auf arabisch an oder antworten auf arabisch, wenn man in einem Restaurant etwas bestellt. In Dubai sprechen die meisten Leute in den Restaurants kein arabisch oder antworten auf englisch, wenn man mal versucht, etwas auf arabisch zu sagen. Und da ich den syrisch-libanesischen Dialekt lerne, konnte ich endlich mal mein arabisch im Alltag gebrauchen. Ich war so begeistert, dass ich zu meiner Kollegin sagte: "Ich glaube, ich möchte in den Libanon ziehen, um hier meine Sprachkenntnisse zu verbessern!" (Keine Sorge, das wird wohl eher nicht passieren. ;-))

Besonders begeistert hat mich auch die reiche Geschichte des Libanon. Nebst griechischen und römischen Einflüssen aus längst vergangenen Zeiten findet man auch viele Überbleibsel aus der Zeit, als der Libanon von den Ottomanen besetzt oder ein Mandat Frankreichs war. Zudem gibt es auch heute noch viele Gebäude, an welchen man die Spuren der beiden Bürgerkriege in den 1970er- und den 2000er-Jahren erkennen kann. Ich erinnere mich nicht, je an einem Ort zu sein, an welchem die Einflüsse vieler und so unterschiedlicher Kulturen noch so stark zu spüren ist!


In der Mohammed-Al-Amin Moschee im Herzen Beiruts.

Die Mohammed-Al-Amin Moschee von aussen - geht man durch Downtown, sieht man sie ab und zu plötzlich wieder zwischen zwei Häusern oder am Ende einer Strasse hervorschauen.

Der Libanon ist kein muslimisches Land. Etwa 40 Prozent der Einwohner sind Christen - somit sieht man Kirchen und Moscheen manchmal direkt nebeneinander stehen. Und je nachdem erklingt der Gebetsruf des Muezzins zur gleichen Zeit, wie das Läuten der Kirchenglocken!



Donnerstag:
Da wir in Beirut selbst schon fast alles gesehen hatten, machten wir einen Ausflug nach ausserhalb der Stadt. der Taxifahrer vom Dienstagabend hatte uns das angeboten und machte uns einen guten Preis. In einem Tag fuhr er uns zu drei verschiedenen Sehenswürdigkeiten:

- Jeita Grotto - Tropfsteinhöhlen in einem bergigen Gebiet in der Nähe von Beirut
- Our Lady of Lebanon - Ein wichtiger katholischer Pilgerort in Harissa
- Byblos - UNESCO Weltkulturerbe und eine der ältesten, permanent bewohnten Städte der Welt

Aufgrund des wechselhaften und manchmal sehr stürmischen Wetters blieben wir an keinem der Orte besonders lange. Wir hatten aber Glück, denn wirklich verregnet wurden wir nie. Das einzige Mal, dass es heftig geregnet hat, waren wir in einer Gondel. ;-)


In den Bergen bei der Jeita Grotto. Wir fuhren mit den Gondeln durchs Grün - einfach wunderbar!

Our Lady of Lebanon - bei unserem nächsten Stop war das Wetter schon nicht mehr so super...

Die Aussicht von der Pilgerstätte auf die Stadt Harissa. Dunkle Wolken zogen vorbei und man konnte die Stadt zeitweise gar nicht mehr sehen!

In der Gondel zurück nach Harissa - plötzlich stoppten wir kurz vor der Talstation. Es schaukelte ganz schön und mir wurde ein wenig mulmig. Zum Glück dauerte es nur etwa 5 Minuten, bis wir die letzten Meter bis zur Station fahren konnten.

Die Ruinen am Hafen von Byblos - viele verschiedene Einflüsse aus verschiedenen Zeitaltern haben diesen Ort geformt. Geht man durch die Ruinen, kann man die reiche Geschichte förmlich spüren!

Wer gerne mehr darüber wissen möchte:
https://www.ardmediathek.de/tv/Sch%C3%A4tze-der-Welt/Byblos-Ruinen-von-Byblos-Libanon-Folg/SWR-Fernsehen/Video?documentId=5879980

Auf dem Rückweg nach Beirut hat uns unser Fahrer erklärt, dass sich viele Libanesen nicht also Araber sehen. Viele - so auch er - möchten als Phönizier gesehen werden, welche seit 1000 v. Chr. den Libanon besiedelten. Die Ottomanen kamen erst Jahrhunderte später und haben das Land "arabisiert". Bassam, so hiess unser Fahrer, ist Phönizier und Christ, mit einer Tunesierin verheiratet und möchte nächstes Jahr nach Brasilien auswandern, wo er bereits einmal ein paar Jahre gelebt hat. Es ist einfach unglaublich spannend, mit Menschen zu sprechen und ihre Lebensgeschichten zu hören!



Freitag:
Am Freitag haben wir es ruhig genommen. Wir waren noch einmal am Hafen von Beirut und haben dort etwas gegessen und sind durch die schön zurechtgemachten, modernen Souks spaziert. Danach waren wir noch im Nationalmuseum.

Ich hatte Zeit, all die Eindrücke auf mich wirken zu lassen. Allen, die genauso wie ich an Kultur und Geschichte interessiert sind, kann ich eine Reise in den Libanon nur empfehlen!

Kommentare

  1. Ich habe Bekannte, eine junge Familie, die seit 2 Jahren in Beirut leben. Ich hätte Dir den Kontakt vermitteln können....

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    1. Wenn man sowas nur im Voraus wüsste! Warst du schon einmal in Beirut?

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