Ein weiterer ereignisreicher Monat in Dubai ist seit meinem letzten Blogeintrag vergangen.
Schon vor längerem angefragt, dann aber doch eher spontan, waren Manuela und ihr Freund Pascal letzte Woche hier in Dubai zu Besuch. Vielen Dank euch beiden für die tolle Zeit und die lustigen Gespräche - und den kleinen, mit Kerzen betriebenen Raclette-Ofen! Es war so schön, zwei waschechte Baselbieter hier zu haben. :-)
Im meinem heutigen Blogeintrag soll es um Traditionen gehen. Zum einen möchte ich euch von Erntedank berichten, zum anderen über das Oktoberfest, an dem ich gestern spontan dabei war.
Gestern früh hat die Deutsche Kirchgemeinde Erntedank gefeiert. Da es im Moment ein wenig schwierig mit den Räumlichkeiten ist, finden die Gottesdienste an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten statt, was ein wenig verwirrend sein kann. Normalerweise waren unsere Gottesdienste auch immer am Samstag und ich konnte wegen meines Arabischkurses manchmal nicht dabei sein. Diesen Monat konnte unser Pfarrer aber jeweils am Freitag für eine Stunde den Hauptraum der Christ Church im Kirchenviertel (church compund) in Jebel Ali mieten.
Obwohl ich am Vorabend mit Freundinnen weggewesen war, stand ich also gestern um 8.00 Uhr auf, damit ich genügend Zeit hatte und rechtzeitig um 10.30 zu Gottesdienstbeginn in Jebel Ali sein würde. Ich hatte mir vorgenommen, schon eine Stunde vor Gottesdienstbeginn loszufahren, obwohl der Weg eigentlich nur 30 Minuten in Anspruch nimmt. Aber am Freitagmorgen haben alle Glaubensgemeinschaften ihren Gottesdienst und die Zufahrtsstrasse zum church compound ist manchmal verstopft, deshalb wollte ich auf Nummer sicher gehen.
Tatsächlich war ich dann aber schon kurz vor 10 Uhr da. Ein wenig zu früh, wie ich dachte. Ich entschied mich, noch ein wenig durch den compound zu spazieren und kam am hinduistischen Sikh-Tempel, den ägyptischen Kopten, den Russisch-Orthdoxen, den amerikanischen Evangelikalen und den syrischen Katholiken vorbei. Um etwa 10.15 Uhr stand ich dann wieder vor der Christ Church, aus welcher gerade Menschen afrikanischer und philippinischer Herkunft herauskamen. Diese hatten wohl jeweils Gottesdienste in Nebenräumen der Christ Church gehalten.
Als ich so dastand, kam eine nette Frau auf mich zu und fragte mich, auf was ich warten würde. Wir unterhielten uns kurz. Dabei kam heraus, dass ich eine Stunde zu früh da war. Unser Gottesdienst sollte erst um 11.30 Uhr starten. Na toll. Was nun? Sie schlug vor, ich solle doch schon mal reingehen, da wäre gerade der anglikanische Gottesdienst im Gange. Und so durfte ich an einem Morgen zwei Erntedankgottesdienste miterleben: Einen anglikanischen in Englisch und unseren evangelischen in Deutsch. Es war interessant zu sehen, wie vielseitig der anglikanische Gottesdienst war. Da gab es Briten, Afrikaner und sogar Inderinnen in Saris. Im deutschen Gottesdienst habe ich dann viele Bekannte wiedergetroffen und es hatte dieses Mal sogar ein paar Schweizer. :-)
Anschliessend an den Gottesdienst ging in dann mit zwei Freunden aus der Gemeinde an den Strand. Unglaublich aber wahr: Das war das erste Mal, dass ich einen richtigen Ausflug an den Strand mit Sonnenschirm und baden gemacht habe! Bis jetzt war ich immer nur abends für Spaziergänge oder ein nettes Abendessen am Strand. Ich habe aber gemerkt, wie gemütlich es sein kann, einfach nur unter dem Sonnenschirm zu liegen und zu dösen. Das werde ich diesen Winter bestimmt ab und zu mal machen!
Um etwa 17.00 Uhr entschieden wir uns dann, nach Hause zu gehen. Da kam Stefan auf die Idee, dass wir doch noch etwas Deutsches essen gehen könnten. Ich fands super und so verabschiedeten wir uns von Corinna, die nicht mitkommen wollte, und machten uns auf den Weg nach Deira zu dem deutschen Restaurant, in dem Stefan schon einige Male gewesen war. Weil das eine sehr spontane Aktion war, hatte ich keine Kleider mit dabei, die für ein Abendessen, geschweige denn einen Barbesuch gepasst hätten. Aber Stefan meinte: In Dubai ist das kein Problem. Denen ist das egal, solange sie denken, dass du etwas konsumierst. Und so war es dann auch. :-D
Als wir ankamen, sahen wir bereits die Oktoberfest-Deko. Das Restaurant an sich war mit typischen Holz-Festbänken ausgestattet und es stand ein grosser Bierkessel als Dekoration mitten im Raum. Wir schlugen uns die Bäuche am bayerischen Buffet voll, tranken Bier und Spezi und genossen die Atmosphäre.
Ein wenig später begann dann ein Duo, deutsche Schlager zu singen. Ich konnte kaum glauben, dass ich an einem so deutschen Ort gelandet war - und das mitten in Dubai! Es war so witzig und ich genoss es sehr, lauthals mitzugrölen. Unsere Begeisterung blieb nicht unentdeckt, sodass sich ein Herr aus einer Gruppe am Nebentisch zu uns gesellte, gerade als wir bezahlen wollten. Er trug Lederhosen und war Deutscher, der dort mit seiner Frau und einigen deutschen Freunden Geburtstag feierte. Er fragte uns, ob wir nicht noch ein Bier mit ihnen trinken wollten. Stefan war müde und wollte nach Hause. Ich blieb noch auf "ein Bier".
2 Bier, einen Apfelcider, zweimal "Skandal im Sperrbezirk", "Atemlos durch die Nacht", "Schatzi schenk mir ein Foto", "Cowboy und Indianer", "Rosalinde", eine Bolonese und einen kleinen Abstecher in die Sportbar im gleichen Hotel später war es 3.30 Uhr nachts und Zeit, um nach Hause zu gehen.
Ich erinnere mich daran, wie ich letztes Jahr die Schilder fürs Oktoberfest in gewissen Hotels hier sah und mir nur dachte: Wer macht sowas? Wer geht in Dubai zu einem Oktoberfest?
Ein Jahr später weiss ich, wie wichtig es ist, im Ausland ein wenig Heimat zu finden. Und ein deutsches Restaurant mit bayerischem Oktoberfest ist für Schweizer hier das nahe gelegenste zu Daheim. Ich würde nicht gleich so weit gehen wie der Deutsche, der mich zu seinen Freunden und Bekannten an den Tisch eingeladen hat - er verbringt seit 6 Jahren jeden Donnerstagabend in diesem Restaurant. Aber ab und zu mal was Deutsches ist schon schön und erinnert an zu Hause.
Morgen feiern wir übrigens mit den Deutschklassen bei uns an der Schule ebenfalls noch Erntedank. Wir singen "Bunt sind schon die Wälder", haben Herbstdekoration und ein kleines Buffet. Auch so eine kleine Geste, die einem die Heimat ein wenig näher bringt.
Nun wünsche ich euch allen ebenfalls ein schönes Erntedank und ein tolles Oktoberfest! Prost ihr Säcke! ;-)
Schon vor längerem angefragt, dann aber doch eher spontan, waren Manuela und ihr Freund Pascal letzte Woche hier in Dubai zu Besuch. Vielen Dank euch beiden für die tolle Zeit und die lustigen Gespräche - und den kleinen, mit Kerzen betriebenen Raclette-Ofen! Es war so schön, zwei waschechte Baselbieter hier zu haben. :-)
Im meinem heutigen Blogeintrag soll es um Traditionen gehen. Zum einen möchte ich euch von Erntedank berichten, zum anderen über das Oktoberfest, an dem ich gestern spontan dabei war.
Gestern früh hat die Deutsche Kirchgemeinde Erntedank gefeiert. Da es im Moment ein wenig schwierig mit den Räumlichkeiten ist, finden die Gottesdienste an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten statt, was ein wenig verwirrend sein kann. Normalerweise waren unsere Gottesdienste auch immer am Samstag und ich konnte wegen meines Arabischkurses manchmal nicht dabei sein. Diesen Monat konnte unser Pfarrer aber jeweils am Freitag für eine Stunde den Hauptraum der Christ Church im Kirchenviertel (church compund) in Jebel Ali mieten.
Obwohl ich am Vorabend mit Freundinnen weggewesen war, stand ich also gestern um 8.00 Uhr auf, damit ich genügend Zeit hatte und rechtzeitig um 10.30 zu Gottesdienstbeginn in Jebel Ali sein würde. Ich hatte mir vorgenommen, schon eine Stunde vor Gottesdienstbeginn loszufahren, obwohl der Weg eigentlich nur 30 Minuten in Anspruch nimmt. Aber am Freitagmorgen haben alle Glaubensgemeinschaften ihren Gottesdienst und die Zufahrtsstrasse zum church compound ist manchmal verstopft, deshalb wollte ich auf Nummer sicher gehen.
Tatsächlich war ich dann aber schon kurz vor 10 Uhr da. Ein wenig zu früh, wie ich dachte. Ich entschied mich, noch ein wenig durch den compound zu spazieren und kam am hinduistischen Sikh-Tempel, den ägyptischen Kopten, den Russisch-Orthdoxen, den amerikanischen Evangelikalen und den syrischen Katholiken vorbei. Um etwa 10.15 Uhr stand ich dann wieder vor der Christ Church, aus welcher gerade Menschen afrikanischer und philippinischer Herkunft herauskamen. Diese hatten wohl jeweils Gottesdienste in Nebenräumen der Christ Church gehalten.
Als ich so dastand, kam eine nette Frau auf mich zu und fragte mich, auf was ich warten würde. Wir unterhielten uns kurz. Dabei kam heraus, dass ich eine Stunde zu früh da war. Unser Gottesdienst sollte erst um 11.30 Uhr starten. Na toll. Was nun? Sie schlug vor, ich solle doch schon mal reingehen, da wäre gerade der anglikanische Gottesdienst im Gange. Und so durfte ich an einem Morgen zwei Erntedankgottesdienste miterleben: Einen anglikanischen in Englisch und unseren evangelischen in Deutsch. Es war interessant zu sehen, wie vielseitig der anglikanische Gottesdienst war. Da gab es Briten, Afrikaner und sogar Inderinnen in Saris. Im deutschen Gottesdienst habe ich dann viele Bekannte wiedergetroffen und es hatte dieses Mal sogar ein paar Schweizer. :-)
| Die Anglikaner haben anlässlich von Erntedank Lebensmittel und Kleider für Bedürftige gesammelt. |
| Unser Erntedank-Zierbrot: Gebacken von einem Kirchenmitglied, das hier Backausbildungskurse für angehende Bäcker durchführt. |
Anschliessend an den Gottesdienst ging in dann mit zwei Freunden aus der Gemeinde an den Strand. Unglaublich aber wahr: Das war das erste Mal, dass ich einen richtigen Ausflug an den Strand mit Sonnenschirm und baden gemacht habe! Bis jetzt war ich immer nur abends für Spaziergänge oder ein nettes Abendessen am Strand. Ich habe aber gemerkt, wie gemütlich es sein kann, einfach nur unter dem Sonnenschirm zu liegen und zu dösen. Das werde ich diesen Winter bestimmt ab und zu mal machen!
Um etwa 17.00 Uhr entschieden wir uns dann, nach Hause zu gehen. Da kam Stefan auf die Idee, dass wir doch noch etwas Deutsches essen gehen könnten. Ich fands super und so verabschiedeten wir uns von Corinna, die nicht mitkommen wollte, und machten uns auf den Weg nach Deira zu dem deutschen Restaurant, in dem Stefan schon einige Male gewesen war. Weil das eine sehr spontane Aktion war, hatte ich keine Kleider mit dabei, die für ein Abendessen, geschweige denn einen Barbesuch gepasst hätten. Aber Stefan meinte: In Dubai ist das kein Problem. Denen ist das egal, solange sie denken, dass du etwas konsumierst. Und so war es dann auch. :-D
Als wir ankamen, sahen wir bereits die Oktoberfest-Deko. Das Restaurant an sich war mit typischen Holz-Festbänken ausgestattet und es stand ein grosser Bierkessel als Dekoration mitten im Raum. Wir schlugen uns die Bäuche am bayerischen Buffet voll, tranken Bier und Spezi und genossen die Atmosphäre.
Ein wenig später begann dann ein Duo, deutsche Schlager zu singen. Ich konnte kaum glauben, dass ich an einem so deutschen Ort gelandet war - und das mitten in Dubai! Es war so witzig und ich genoss es sehr, lauthals mitzugrölen. Unsere Begeisterung blieb nicht unentdeckt, sodass sich ein Herr aus einer Gruppe am Nebentisch zu uns gesellte, gerade als wir bezahlen wollten. Er trug Lederhosen und war Deutscher, der dort mit seiner Frau und einigen deutschen Freunden Geburtstag feierte. Er fragte uns, ob wir nicht noch ein Bier mit ihnen trinken wollten. Stefan war müde und wollte nach Hause. Ich blieb noch auf "ein Bier".
2 Bier, einen Apfelcider, zweimal "Skandal im Sperrbezirk", "Atemlos durch die Nacht", "Schatzi schenk mir ein Foto", "Cowboy und Indianer", "Rosalinde", eine Bolonese und einen kleinen Abstecher in die Sportbar im gleichen Hotel später war es 3.30 Uhr nachts und Zeit, um nach Hause zu gehen.
Ich erinnere mich daran, wie ich letztes Jahr die Schilder fürs Oktoberfest in gewissen Hotels hier sah und mir nur dachte: Wer macht sowas? Wer geht in Dubai zu einem Oktoberfest?
Ein Jahr später weiss ich, wie wichtig es ist, im Ausland ein wenig Heimat zu finden. Und ein deutsches Restaurant mit bayerischem Oktoberfest ist für Schweizer hier das nahe gelegenste zu Daheim. Ich würde nicht gleich so weit gehen wie der Deutsche, der mich zu seinen Freunden und Bekannten an den Tisch eingeladen hat - er verbringt seit 6 Jahren jeden Donnerstagabend in diesem Restaurant. Aber ab und zu mal was Deutsches ist schon schön und erinnert an zu Hause.
Morgen feiern wir übrigens mit den Deutschklassen bei uns an der Schule ebenfalls noch Erntedank. Wir singen "Bunt sind schon die Wälder", haben Herbstdekoration und ein kleines Buffet. Auch so eine kleine Geste, die einem die Heimat ein wenig näher bringt.
Nun wünsche ich euch allen ebenfalls ein schönes Erntedank und ein tolles Oktoberfest! Prost ihr Säcke! ;-)
| Nur ein kleiner Teil des Buffets: Schweinefleisch muss separat aufgestellt und klar deklariert werden. |
| Miammiii... besonders lecker waren das Sauerkraut und der Schweinshaxen mit Senf! |
| "Atemlos durch die Nacht...!" |
Ach, Du meine Güte! Oktoberfest würde ich in D meiden..., aber ich versteh, was in Dir vorging. Gut so!
AntwortenLöschenGing mir genauso! Besser gesagt: Oktoberfest würde ich normalerweise überall meiden. :-D
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