Freitag, 31. August 2018 - Zurück in Dubai

Die Sommerpause ist vorbei!

Seit einer Woche bin ich nun schon wieder zurück in Dubai. Back in town sozusagen. ;-)

Es war ein schöner Sommer. Ich durfte mit lieben Freunden Dänemark, Norwegen, Schweden und Holland bereisen, war mit dabei im Jungscharlager, habe einigen Städten in der Schweiz einen Besuch abgestattet und wieder einmal viele tolle Menschen getroffen, die ich schon längere Zeit nicht mehr gesehen hatte. Ich habe in dieser Zeit wieder viel über mich selbst gelernt, was manchmal herausfordernd aber auch spannend war.

Wenn man so weit weg von der Heimat lebt und immer nur für ein paar Wochen nach Hause reist, erlebt man alles viel intensiver. Bei meinen letzten Besuchen und auch anfangs Sommerferien hat mich das sehr gestresst. Man hat das Gefühl, man will oder muss so vieles. Man ist immer unter Zeitdruck, weil man ja schon bald wieder abreist. Man hat kaum Zeit, das Erlebte sacken zu lassen und den Emotionen Raum zu geben.

Vor den Ferien habe ich mir auch Gedanken gemacht wie: Was ist, wenn es mir so gut gefällt, dass ich gar nicht mehr nach Dubai möchte?

Nun, ich kann euch sagen, dass ich die Zeit in Europa, vor allem in der Schweiz, tatsächlich sehr genossen habe. Auch der Abschied war nicht einfach. Und dennoch: Als ich letzten Freitag in Dubai aus dem Flugzeug gestiegen bin, habe ich mich hier wieder wohl gefühlt. Ich hatte erwartet, dass ich einige Zeit brauchen werde, um mich wieder einzuleben, aber schon nach 2 Tagen hatte ich den Eindruck, dass ich nie weggewesen bin. Zu merken, dass ich zwar meine Zeit in der Schweiz geniesse, aber dass es auch okay ist, wenn ich dann wieder abreisen muss, hat mich sehr beruhigt.

Seit ich wieder zurück bin, habe ich genau darüber einige interessante Gespräche geführt mit Leuten die seit 5, 10 oder sogar 20 Jahren nicht mehr in ihrer Heimat leben. Eine Freundin hat gesagt, dass man das Ganze mit Abschied nehmen und so weit weg von der Heimat leben zu Beginn sehr stark von der emotionalen Seite betrachtet. Mit der Zeit lernt man aber, eher realistisch zu denken. Das habe ich nun auch bei mir selbst beobachtet.

Nach meinem ersten Besuch in der Schweiz war ich total begeistert war, wie viele tolle Gespräche ich mit meinen Freunden geführt hatte und wie viele tolle Erlebnisse ich gehabt hatte. Als ich wieder nach Dubai ging war ich sehr traurig und dachte mir: Wieso gehe ich freiwillig so weit weg von so guten Freunden? Wie kam ich jemals auf die Idee? Es wäre doch alles so viel besser in der Schweiz!

Heute denke ich eher: Wow, es ist einfach toll, wie viele spannende Gespräche ich mit Leuten führen kann und wie viele interessante Menschen ich kenne! Es wäre toll, wenn ich das öfter hätte! Aber dann denke ich ganz nüchtern darüber nach und weiss, dass ich mich mit den meisten dieser Menschen nicht öfter zum Essen oder Kaffee trinken verabreden würde, auch wenn ich in der Schweiz leben würde. Oder dass unsere Gespräche nicht jedes Mal so intensiv wären, weil man sich einfach nicht so viel zu sagen hat, wenn man sich regelmässiger sieht.

So habe ich gelernt, die Situation als Expat positiver zu sehen. Ich sehe viele liebe Leute vielleicht weniger oft, dafür ist die kurze Zeit, die ich mit ihnen verbringe besonders wertvoll. Qualität anstatt Quantität sozusagen. Zudem habe ich verstanden, dass ich in der Schweiz jetzt immer so ein Ferien-Gefühl habe, das mich manchmal ein wenig trügt.

Jeder kennt es: Man fährt in den Ferien irgendwo hin und es gefällt einem total. Man findet alles toll, die Leute sind viel netter als zu Hause und das Essen ist sowieso auch super. Und das Wetter - WOW! Aber schlussendlich weiss man, dass das Leben an jedem Ort, mag er im Urlaub auch noch so toll scheinen, seine Routinen, Trotts und negativen Seiten hat. Die Dinge, die man täglich sieht, verlieren ihren Glanz und es ist halt einfach "normal".

Nachdem ich dieses Ferien-Gefühl bei meinen ersten Besuchen in der Schweiz noch nicht so einordnen konnte und mich dem Hochgefühl unreflektiert ausgesetzt habe, war es schwieriger, wieder wegzugehen. Nun verstehe ich aber besser, was in meinem Kopf geschieht und kann mich selbst auch manchmal wieder ein wenig von dieser Wolke 7 runterholen.

Ja, es ist schön zu Hause. Und man kann es nicht wirklich mit einem Ferienort vergleichen. Die Schweiz, Baselland, Bretzwil, ist natürlich viel mehr als ein Ferienort für mich. Aber ich kann die Heimat jetzt geniessen, all die tollen Dinge tun und an all die schönen Orte gehen und gleichzeitig denken: Es ist okay, dass ich es nicht immer habe. Denn man muss nicht alles, was man schön findet und geniesst immer und zu jeder Zeit zur Verfügung haben. Das Leben bietet so viele Möglichkeiten, man muss schlussendlich Entscheidungen treffen. Und eine Entscheidung für das Eine beinhaltet automatisch auch, dass man auf andere Dinge verzichten muss. Und das ist okay.



Und für die, die es auf den sozialen Medien noch nicht gesehen haben: Ich durfte anfangs August auch meine Baselbieter Festtracht bei der Schneiderin abholen! :-)

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