Freitag, 29. Juni 2018 - Fazit

Kurz vor den Sommerferien melde ich mich noch einmal zu Wort. :-) Vermutlich werde ich mich während des Sommers nicht gross melden, da ich von anfangs Juli bis Ende August in Europa bin. Ich werde ein paar Wochen in der Schweiz verbringen, aber auch eine Reise durch Skandinavien machen.

Besonders froh bin ich, dass ich die Hitze bald verlassen kann. Es ist nun tagsüber meistens über 40 Grad warm und zum Teil auch sehr schwül. Natürlich bin ich daran gewohnt, aber besonders toll finde ich es trotzdem nicht. In Skandinavien wird es im Sommer so warm sein, wie es hier im Winter ist, worauf ich mich sehr freue.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um ein kleines Fazit über mein erstes Jahr in Dubai zu schreiben und mit euch zu teilen, was mir gerade so im Kopf herumschwirrt.

Im Moment gefällt es mir hier grundsätzlich gut. Ich habe mich eingelebt, Freunde gefunden, mich an all die Eigenheiten und Vorzüge der Grossstadt gewöhnt und fühle mich auch beruflich immer wohler.

Es hat einige Zeit gebraucht, bis ich mich mit meiner neuen Arbeit identifizieren konnte. Vieles war und ist noch immer fremd, mit einigem konnte ich mich anfreunden, anderem werde ich wohl immer kritisch gegenüber stehen. Aber ich kann sagen, dass ich mich was den Beruf angeht auf mein zweites Jahr hier sehr freue. Nachdem ich nun das Konzept, den Lehrplan und alle Abläufe verstehe, bin ich motiviert, im nächsten Schuljahr einiges in Angriff zu nehmen.

Auch sonst bin ich zufrieden hier. Ich unternehme ab und zu etwas mit Arbeitskollegen, wie zum Beispiel gestern, als ich bei einem Walliser Arbeitskollegen und dessen Frau zum Raclette eingeladen war. Oder ich verabrede mich mit einer Arbeitskollegin zum Schwimmen im Pool unseres Wohngebäudes und wir bestellen uns danach noch etwas zu essen an den Pool.

Es fiel mir nicht ganz leicht, hier ausserhalb der Schule Leute kennenzulernen. Aber auch das ist mir inzwischen gelungen und so werde ich heute Abend mit ein paar Freunden einen Bollywood-Film schauen gehen. Ich hoffe, dass es englische Untertitel gibt, ansonsten werden das lange 3 Stunden... :-D

Ich geniesse die Vorzüge des Lebens hier nun in vollen Zügen. Ich habe mich daran gewöhnt, mir mein Essen via App nach Hause zu bestellen und meiner Bestellung live zu folgen, da der Weg des Delivery-Manns via GPS verfolgt wird. Ich gehe regelmässig in die Manicure. Ich lasse mir meine Einkäufe von dem netten Mann im Supermarkt, welcher sich in meinem Wohngebäude befindet, zur Wohnungstür tragen. Ich nutze den Pool und den Fitnessraum bei uns im Haus. Und letztens hatte ich zum ersten Mal eine Putzfrau, welche meine Wohnung geputzt hat, während ich etwas für die Schule vorbereitet habe.

Nun ist es nicht so, dass ich mir keine Gedanken mehr machen würde über die grosse soziale Ungleichheit. Und manchmal habe ich noch immer das Gefühl, die philippinischen oder pakistanischen Arbeiter auszubeuten. Aber auf der anderen Seite gewöhnt man sich auch daran, dass die Dinge hier nun mal so sind und man beginnt, es zu akzeptieren. Ob das gut ist oder nicht, sei dahingestellt.


Während ich den Lifestyle hier immer mehr für mich entdecke und somit auch das Leben hier toll finde, höre ich immer wieder Geschichten von Leuten, die wie ich aus beruflichen Gründen nach Dubai kamen, damit aber nicht so viel Glück hatten.

Die Deutsche Evangelische Kirchgemeinde der VAE, in welcher ich mich engagiere, setzt sich für eben solche Leute ein. Meist sind es Deutsche, die hierher kamen und oftmals durch eine Verkettung unglücklicher Umstände mit dem Gesetz in Konflikt kamen oder Schulden angehäuft haben.

Hat man Schulden, darf man nicht mehr ausreisen. So kann es sein, dass man 8 Jahre in einer Garage haust, obwohl man mal ein erfolgreicher Manager war. Man kommt hier aber einfach nicht mehr auf die Beine, darf das Land jedoch auch nicht verlassen und muss sich unauffällig verhalten, da das Visum oder der Pass abgelaufen sind und nicht erneuert werden können.

Oder man wurde Opfer eines Betrugs, steht aber schlussendlich als der Schuldige da, weil man sich von den falschen Leuten aufs Kreuz hat legen lassen. Dann sitzt man einfach mal 4 Jahre in einem Gefängnis in Al Ain und muss hoffen, dass einem die Schulden irgendwann erlassen werden.

Die Rechtssicherheit hier ist ein schwieriges Thema. Und wenn ich dann von solchen Begebenheiten höre, mache ich mir schon ein wenig Sorgen. Man denkt sich ja immer: Schon krass, aber mir könnte das ja niiie passieren! Manchmal bin ich mir da aber nicht so sicher. Es kann schnell gehen.

Dann frage ich mich, ob es das wert ist. Natürlich hat das Leben hier viele Vorteile und man kann sich einiges leisten, worauf man anderswo vielleicht verzichten müsste. Auf der anderen Seite... wie bereits erwähnt. ;-)

Ist es das Risiko schlussendlich wert? Ich weiss es nicht.

Kommentare

  1. Nun, die Lebenserfahrung ist jedenfalls horizonterweiternd, und das ist grundsätzlich gut. Lass dich nicht über den Tisch ziehen.... !

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