Sonntag, 13. Mai 2018 - The Year Of Zayed

Nach ein paar eher turbulenten und ereignisreichen Wochen melde ich mich nun endlich wieder einmal zu Wort. ;-) Kurz vor dem Beginn des Fastenmonats Ramadan möchte ich einen Beitrag über "The Year Of Zayed" schreiben.

Für mich als Schweizerin ist es manchmal noch immer erstaunlich, was für eine grosse Rolle der Nationalstolz bei den Emiratis spielt. Vom Nationalfeiertag letztes Jahr am 2. Dezember war ich zwar bereits grosse Abbildungen der Sheikhs an öffentlichen Orten oder auf Heckscheiben von Autos gewöhnt. Das riesengrosse Poster und der Schriftzug "The Year Of Zayed", welchen ich das erste Mal etwa im Februar dieses Jahres in der Nähe des World Trade Centers gesehen habe, haben mich dann aber doch erstaunt und ich habe mich gefragt, was es damit wohl auf sich hat. Ich habe mich dann aber nicht weiter damit beschäftigt und auch den Zusammenhang zwischen diesem Poster und meinem Ausflug nach Al Ain einige Wochen später nicht gleich erkannt. 

In Al Ain war ich nämlich auf einem Tagesausflug mit einer Freundin. Und neben dem Berg Jebel Hafeet und dem Kamelmarkt haben wir dort auch das Al Ain Palace Museum besucht:

Das Al Ain Palace Museum befindet sich in der ehemaligen Privatresidenz des Präsidenten der VAE direkt neben der Al Ain Oase. Der Palast ist nach dem typischen Baustil der Emirate erbaut und hat beispielsweise die charakteristischen Windtürme, die man auch in Dubai teilweise noch sieht, die hier aber eher als Dekoration gedacht sind. In früheren Zeiten, bevor es Elektrizität und damit moderne Klimaanlagen gab, haben die Menschen diese Windtürme zur Kühlung ihrer Häuser genutzt. Sie haben nasse Tücher in die Türme gehängt und der Wind, der durch die Öffnungen in den Turm und durch die feuchten Tücher drang, hat das innere der Häuser abgekühlt.


Am Eingang des Al Ain Palace

Innenhof des Al Ain Palace

Innenhof des Al Ain Palace

Im Al Ain Palace Museum hängen diverse Portraits bereits verstorbener oder auch noch lebender Sheikhs und man erhält einen Einblick, wie kompliziert diese ganze Familien- und Verwandtschaftsstruktur ist. Und obwohl ich nicht von hier bin, erfüllt mich der Anblick solcher Portraits immer wieder mit Ehrfurcht. Lasst mich erklären, weshalb:

Wie viele von euch bereits wissen, sind die Vereinigten Arabischen Emirate ein sehr junges Land. Zwar ist erwiesen, dass bereits seit mehreren tausend Jahren Menschen auf der Arabischen Halbinsel lebten, die VAE wie wir sie heute kennen, gibt es aber erst seit 1971.

Ab den 1930er Jahren wurde auf der Arabischen Halbinsel Öl gefördert, ab den 1960er Jahren wurde das im grossen Stil getan. Das half den Einheimischen, ihre Lebensqualität zu verbessern. Zu jener Zeit war aber noch immer ein Grossteil der Einheimischen Fischer oder Perlentaucher. Erst als sich die Briten zu Beginn der 70er Jahre von der Arabischen Halbinsel zurückzogen, begann dann der tatsächliche Boom.

Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan, Sheikh von Abu Dhabi, wartete nicht lange, sondern veranlasste noch am selben Tag, an welchem Grossbritannien sich von der Arabischen Halbinsel zurückzog, eine Zusammenkunft der regierenden Sheikhs der verschiedenen Emirate. Am 2. Dezember 1971 haben sich die Vereinigten Arabischen Emirate dann offiziell zu einer Union zusammengeschlossen.

Der Gedanke, dass sich dieser Wüstenort innerhalb so weniger Jahrzehnte so stark entwickelt hat und zu einem wirtschaftlich extrem lukrativen Ort wurde und damit viel Reichtum ins Land bringen konnte, beeindruckt mich immer wieder. Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nayhan hatte wahrlich den richtigen Riecher und war ein guter Geschäftsmann. Dank ihm sind die VAE das, was sie heute sind: Ein Ort des Fortschritts und der Superlative. Damit möchte ich nicht sagen, dass ich alles hier super finde. Aber ich habe grossen Respekt vor dem Werdegang dieses jungen Nation.

Eine deutsche Aushilfe bei uns an der Schule hat mir einmal erzählt, dass sie bereits seit 30 Jahren hier lebt. Sie sagte, dass das Dubai von damals nicht zu vergleichen sei mit dem, was es heute ist. Als sie ankam, so meinte sie, fuhr man in der Stadt tatsächlich noch durch Sanddünen und es war nicht erstaunlich, neben der Strasse mit Waren beladene Kamele zu sehen. Kaum vorstellbar, wenn man heute auf der Sheikh Zayed Road vom Burj Khalifa zur Marina fährt oder den Sonnenuntergang auf The Palm Jumeirah geniesst!

Aber was hat das nun alles mit The Year Of Zayed zu tun?

Ganz einfach: Vor 100 Jahren, im Jahr 1918, wurde der Mann geboren, der die VAE gegründet hat und bis zu seinem Tod im Jahr 2004 ihr erster Präsident war: Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan. Der Mann, dessen Privatresidenz in Al Ain ich erst kürzlich besucht und von dessen Portrait ich - ohne dass es mir bewusst gewesen wäre - ein Foto gemacht habe.



Sheikh Zayed Bin Sultan Al Nahyan, Gründer und erster Präsident der VAE
Anmerkung: Man sieht den Sheikh hier bei der Falkenjagd. Diese ist eine Tradition in den Vereinigten Arabischen Emiraten und spielt auch heute noch eine grosse Rolle in den Familien der Sheikhs.

Die VAE sind ein Ort der Gegensätze: Auf der einen Seite so modern, luxuriös und international. Auf der anderen Seite noch immer sehr traditionell, auf die Erhaltung der eigenen Kultur und die Ausübung der Religion bedacht. In meinem nächsten Eintrag wird es wieder einmal um letzteres Thema gehen: Den Islam.

In ein oder zwei Tagen beginnt Ramadan. Ich bin bereits sehr gespannt und freue mich auf diese neue Erfahrung, da ich noch nie zur Fastenzeit in einem muslimischen Land war. Das Leben hier muss während des Ramadan sehr anders sein und ich kann es kaum erwarten, euch davon zu berichten!

Bereits jetzt wünsche ich euch Ramadan Kareem und bis bald!

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