Donnerstag, 18. Januar 2018 - Dr Summer isch verbii

D'Nächt die sind scho zimli kalt, 
Näbel stiigend us em Wald, 
und der erschti, nassi Schnee 
han i hüt am Morge gsee. 

Jo der Summer isch verbii, 
es isch en Wundersummer gsii, 
mis Herz isch schwär vom Abschied neh, 
drum trinki Alpeblueme, Alpeblueme, Alpebluemetee.





Ja, der Sommer ist eindeutig vorbei... Wir haben zwar keinen Schnee und keine Wälder, aber die Nächte sind nun auch bei uns eher kühl. Manchmal bläst sogar ein beissender, kalter Wüstenwind. Und am Montagmorgen diese Woche hatten wir so dicken Nebel, dass man auf der Strasse kaum zwei Meter weit sehen konnte!

Das auf dem Foto ist die Aussicht von meinem Schulzimmer auf den "Adventure-Playground" und den Primarschul-Pool. Normalerweise sieht man auf der anderen Seite der Strasse auch den Dubai Creek, respektive die künstliche Verlängerung davon. Am Montagmorgen war das aber nicht der Fall. Da konnte ich vom Parkplatz aus kaum das Schulgebäude sehen. Der Verkehr war sehr langsam, weshalb die meisten meiner Schüler zu spät kamen. 

Nicht, dass zu spät kommen im grossen Stil ungewöhnlich wäre. Das passierte auch, als vor einigen Wochen gleich nach der Autobahnausfahrt zur Schule eine "Abkürzung" plötzlich gesperrt war: Viele Leute fuhren da nämlich mit ihren protzigen Geländewagen direkt durch die Dünen, um einen Kreisel und den dort herrschenden Verkehr zu umgehen. Dass es so starken Verkehr gibt, ist bei 950 Schülern, von denen vermutlich etwa die Hälfte von den Eltern oder von ihrem Driver zur Schule gebracht werden, kaum verwunderlich. Dass man dann halt einfach Offroad durch die Dünen fährt, ist für uns Schweizer hingegen doch eher ungewöhnlich.

Aber zurück zum Thema: Ein Schüler, der an diesem nebligen Tag nicht zu spät kam, war der Sheikh. Und er strahlte übers ganze Gesicht, als er das Zimmer betrat. Als ich ihn nach dem Grund für seine gute Laune fragte, zeigte er aus dem Fenster und sagte: "Das Wetter! Schau doch mal, es ist so schön!"


Zum Schluss noch eine Bemerkung zum Lied: Dieses gehört neben Hits von Andrew Bond, "Drei Chinesen mit dem Kontrabass", "Mein Hut der hat drei Ecken" und einigen schwedischen Kinderliedern (wir hatten im letzten Semester eine Astrid Lindgren-Woche) zu meiner allmorgendlichen Routine. Ich mag Musik am Morgen, deshalb habe ich eine Youtube-Playlist für meine Zweitklässler (und mich ;-)) erstellt.

Besonders gerne höre ich die Lieder von Linard Bardill. Sie machen diese Schule, die doch viel mehr "International" als "Swiss" ist, ein wenig Schweizerischer. Oft schaue ich beim Hören von Linard Bardill aus dem Fenster meines Schulzimmers. Dort sehe ich in der aufgehenden Sonne den Creek mit den Yachten, die Skyline von Dubai und weite, sandige Flächen. Da werde ich manchmal ein wenig wehmütig und sehnsüchtig, aber irgendwie auf eine schöne Art. Ich freue mich dann auf den Sommer in der Schweiz und wünsche mich in die Schweizer Berge. Wie toll wäre es, nach einer langen Wanderung vor einer Alphütte sitzen und die pure Alpenluft geniessen zu können! :-)

Auf die Alpenluft muss ich leider noch ein wenig warten, dafür gab es heute im Lehrerzimmer Fondue. Mein Arbeitskollege aus dem Wallis hat von seinem Aufenthalt in der Schweiz Käse mitgebracht, den er mit uns geteilt hat. Und er hat extra betont: "Es ist kein Gerber-Fondue!"

Während viele unserer internationalen Arbeitskollegen des Geruches wegen in ein anderes Lehrerzimmer geflohen sind, habe ich den Gestank richtig genossen. Schliesslich wissen wir ja alle: Chli stinke muess es!



So, genug geschrieben - ich schaue jetzt erst mal die neuste Folge von "Der Bestatter".

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