Samstag, 21. Oktober 2017 - Freizeitgestaltung I

Bereits seit einiger Zeit besuche ich hier Pilateslektionen und heute möchte ich gerne meine bisherigen, sehr vielfältigen Erfahrungen mit euch teilen.

Schon in der Schweiz habe ich regelmässig Pilatesstunden besucht, und zwar in den Räumlichkeiten des Judoclubs Nunningen. Klingt komisch, ist aber so. Praktisch ist, dass dort der Boden bereits eine einzige grosse Matte ist und man somit nicht auf einer Minimatte herumturnen muss. Unpraktisch ist, dass diese grosse Matte manchmal echt dreckig ist und man sich trotzdem jeweils eine Stunde lang darauf herumwälzt.
Im Grunde mochte ich aber die Pilatesstunden in Nunningen. Solveig wusste von jedem und jeder ihrer Kund/innen, was ihm oder ihr fehlt und konnte die Lektionen jeweils darauf abstimmen und einem auch ab und zu persönliche Tipps geben. So wurden meine Rückenschmerzen, wegen welcher ich ursprünglich mit Pilates begonnen habe, tatsächlich besser.

Nun kann man sagen: So verschieden wie Nunningen und Dubai, so unterschiedlich sind auch die Pilatesstunden an den jeweiligen Orten.

In den bis jetzt 5 Pilatesstunden hatte ich so weit 3 verschiedene Instruktorinnen. Das kommt immer darauf an, für welches Angebot man sich entscheidet, denn es gibt immer verschiedene Optionen und der Stundenplan wechselt von Monat zu Monat. So muss man auch seine Gewohnheiten immer wieder anpassen. Typisch Dubai - alles ist schnelllebig und verändert sich andauernd.
Ausserdem muss man sich vorher übers Internet oder direkt an der Rezeption für die Lektion anmelden. Entscheidet man sich kurzfristig, dass man doch nicht gehen möchte, muss man trotzdem bezahlen.

Was ich allgemein über meine bisher besuchten Pilatesstunden hier sagen kann ist, dass man sehr gefordert wird. Während wir in Nunningen jeweils mit höchstens einem Hilfsmittel (Band, Rolle, Ring) pro Lektion gearbeitet haben, kommt es hier nicht selten vor, dass alles in eine Lektion gepackt wird.
Daneben gibt es aber weitaus mehr Dinge, die sich von Lektion zu Lektion unterscheiden. Hier ein paar Beispiele:

Manchmal ist man in der Lektion zu viert, manchmal sind es 10 Leute. Manchmal ruft einen die Dame von der Rezeption sogar vorher an ("Hello, Raheeeeeel") um sicher zu gehen, dass man auch wirklich zur Stunde erscheint. Oder die Lektion wird abgesagt, weil sich nicht genug Leute anmelden. Oder eine Emirati Frau meldet sich an und deshalb wird die Lektion für Männer gesperrt, da die Emirati Frau nicht mit Männern im gleichen Raum turnt. Dann kommt die Emirati Frau unabgemeldet halt doch nicht und der Mann darf dann gütigerweise noch mitmachen, nachdem er draussen 10 Minuten auf seine Freundin gewartet hat. Na ja.

Manchmal sehen die Teilnehmerinnen wie ganz normale 0815-Leute aus. Meistens aber erinnern sie eher an Models aus einem Sportbekleidungskatalog, die zu Hause täglich mit ihrem Personal Trainer "ihren body shapen". Interessanterweise scheint es fast so, als würden sich diese Leute untereinander absprechen, sodass ich eine Woche mit Normalsterblichen im Kurs bin und mich die nächste Woche unter einer Horde Nike und Adidas-Models wieder finde. Eine Lektion war ganz speziell: Es waren zwei top durchgestylte junge Frauen dabei. Ich dachte mir schon so: Wow, die sehen echt aus, als wären sie Pilates-Profis. Eine davon trug eine super modische Kette mit einem grossen Anhänger, der während der Übungen immer rumbaumelte und sich an Orte verirrte, an die er nicht gehörte. Es stellte sich dann auch schnell heraus, dass diese Damen eher ungeübt waren. Sie mühten sich echt ab und gaben dabei Laute von sich, die irgendwie an Frauentennis erinnerten. Da konnte auch das Outfit nichts mehr retten.

Auch inhaltlich sind die Lektionen sehr verschieden. Anfangs besuchte ich relativ gewöhnliche, aber halt sehr anstrengende, Pilatesstunden. Letztens hat dann leider der Stundenplan so geändert, dass eine reine Pilateslektion für mich nicht mehr passt. So habe ich mich für Piloga angemeldet, eine Mischung aus Pilates und Joga. Die Dame an der Rezeption hat so gemeint: "Oh, you will love it!"
Was es nicht alles gibt. Schlecht ist es nicht; nun kann ich, nebst ganz gewöhnlichen Dehn- und Kraftübungen, auch noch meine innere Mitte finden, dem Universum für alles danken und die Sonne begrüssen.

Letztens war ich für die Pilatesstunde ziemlich spät dran, da ich Ewigkeiten auf ein Taxi warten musste. So schaffte ich es gerade knapp zum Beginn der Lektion. Diese fing damit an, dass wir, wie Fussballer am Rand des Spielfelds, mit hohen Knien im Kreis rannten. Da ich mich eigentlich für eine Pilogastunde angemeldet hatte, war ich mittelmässig verwirrt. Nach einigen Übungen fragte ich dann meine Nachbarin, in was für einem Kurs ich gelandet sei. Sie bestätigte mir, dass es sich um Piloga handelte und ich sagte, dass mich diese ersten Übungen ein wenig verunsichert hätten. Ich hätte Piloga von der vorherigen Lektion anders in Erinnerung. Da grinste sie und meinte nur: "Ja, für mich ist es auch jedes Mal eine Überraschung, wenn ich hierher komme."

Tja, so ist das halt in Dubai. Man muss flexibel sein und mit Überraschungen umgehen können - just deal with it. :D

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