Am Donnerstag, gerade als ich den Blogeintrag über das Neujahr verfasste, meldete sich ein Saudi Freund bei mir: "Hello, I am in Dubai now."
Ich freute mich wie verrückt, hatten wir doch über ein Jahr lang kaum Kontakt gehabt und erst vor 3 Wochen wiedermal miteinander geschrieben. Der Zufall wollte es, dass er ein verlängertes Wochenende in Dubai geplant hatte und wir entschieden uns, uns zu treffen.
Kennengelernt habe ich ihn, wie so viele andere Saudis, während meines Sprachaufenthalts in Kalifornien im Sommer 2015. Wir waren meistens als Gruppe unterwegs und unternahmen gemeinsam viele verrückte Dinge. Aber nicht nur das, ich hatte mit meinen Saudi Freunden auch viele gute Gespräche über das Leben im Allgemeinen und im Besonderen in Saudi Arabien. Ich durfte viele Eigenarten der Kultur und Religion dieses schwer zugänglichen und in der westlichen Welt so in Verruf geratenen Landes kennenlernen. Nun, als ich meinem Kollegen nach so vielen Monaten im Restaurant gegenüber sass, erinnerte ich mich schlagartig zurück an das, was ich an all den Erzählungen und Diksussionen damals in San Francisco so faszinierend gefunden hatte.
Er: Also, wie kommst du denn eigentlich dazu, gerade nach Dubai zu ziehen??
Ich: Ich habe dir doch schon erzählt, dass ich arabisch lerne und die arabische Kultur und Religion haben mich ja schon lange sehr interessiert.
Er: Ja, ich erinnere mich an die vielen guten Gespräche, die wir damals hatten...
Ich: Ich mich auch! Weisst du, es gibt so viele Vorurteile und Stereotypen über Araber, insbesondere Menschen von der arabischen Halbinsel. Ich möchte einfach gerne meine eigenen Erfahrungen sammeln, das Leben und die Menschen hier selbst kennenlernen und nicht nur nachreden, was andere Leute mir weismachen wollen.
Er: Ich sage dir, du wirst bald müde werden davon...
Ich: Wie meinst du das?
Er: Weisst du, die Leute haben ihre Ideen. Die Medien zeigen ein sehr negatives Bild der arabischen Welt und die Menschen wollen das halt glauben. Du kannst niemanden ändern, der eine vorgefertigte Meinung hat und nicht selber nachdenken möchte.
Ich: Ja, das ist mir klar. Ich möchte auch niemanden von irgendetwas überzeugen. Ich weiss, dass du recht hast. Ich mache das für mich. Wenn ich damit noch ein paar andere Leute zum Nachdenken bringe, ist das toll. Aber das kann nicht mein Hauptziel sein (...).
Er: Aber erzähl mal, wieso denn gerade Dubai? Weshalb nicht Bahrain oder so?
Ich: (ein wenig verlegen) Nun ja, wie soll ich das sagen... Dubai ist doch eine sehr offene Stadt, obwohl zur arabischen Welt gehörend. Da war ich mir sicher, dass das klappt. Über Bahrain weiss ich zu wenig, das stelle ich mir doch sehr streng und traditionell vor... Oder stell dir vor, ich erzähle meiner Familie und meinen Freunden: Ich gehe jetzt nach Saudi Arabien zum Arbeiten. Die würden mich echt komisch anschauen!
Er: Also bitte. Die Leute meinen immer, wir Araber seien alle so schlimm. Dabei sind wir doch auch nur ganz normale Menschen!
Ich: Das erzählst du MIR? Denkst du etwa, ich weiss das nicht? Ich glaube, es gibt kaum jemanden, der das besser weiss als ich!
Er: Ja okay, da hast du wohl recht. (lacht)
Wir sprechen über das Neujahr und Eid Al-Adha und ich stelle sicher, dass die Angaben in meinen vorherigen Blogeinträgen stimmen.
Er: Ja, an Eid Al-Adha schlachten wir für die Familie ein Tier. Ein Lamm, ein Schaf, eine Kuh oder ein Kamel... (Ich lache.) Hey, wieso lachst du?
Ich: Beim Stichwort Kamel erinnere ich mich zurück an so viele doofe Witze, die die Leute gemacht haben, als ich ihnen erzählte, dass ich nach Dubai ziehe. Von wegen "einen Sheikh heiraten" und "in der Schweiz eine Tankstelle eröffnen". Oder "Kamele nach Hause schicken". Meine Arbeitskollegen in der Schweiz haben sogar mal mit einer App überprüft, wie viele Kamele ich wert bin. Kennst du die App?
Er: Nein, erklär's mir.
Ich: Nun ja, man gibt ein, wie gross man ist, welche Haar- und Augenfarbe man hat und so weiter. Und dann rechnet die App für einen aus, wie viele Kamele man wert ist.
Er: Und, wie viele waren es bei dir?
Ich: Ich bin mir nicht mehr sicher, so um die 65? (Er schüttelt lachend den Kopf.)
Nachdem wir etwas gegessen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Taxi. Ich erzählte ihm, dass ich kein Auto habe und auch keines kaufen möchte. Das konnte er nicht verstehen.
Ich: Na gut, was für ein Auto soll ich deiner Meinung nach kaufen?
Er: So eines da (zeigt auf einen Kleinwagen), aber noch ein wenig kleiner. Weil du ja nicht fahren kannst.
Ich: Aber sicher kann ich fahren!
Er: Nein.
Ich: Du warst ja nicht dabei, als ich in Las Vegas gefahren bin! A. und N. (beide aus Saudi) sassen auf dem Rücksitz und schliefen sogar auf dem Rückweg vom Grand Canyon nach Vegas!
Er: Trotzdem, du kannst nicht fahren. Ich würde nie ins Auto steigen, wenn du fährst.
Die letzte Aussage darf ironisch verstanden werden. Auch A. und N. hatten im Vorfeld unseres Ausfluges zum Grand Canyon wiederholt betont, dass ich auf keinen Fall fahren würde. Schlussendlich musste ich sie aber noch nicht einmal überreden und kriegte am Schluss noch Komplimente für die sichere Fahrt. ;-)
Natürlich stimmt es, dass Frauen in Saudi Arabien bis heute nicht selbst Auto fahren dürfen. Ich kenne aber einige, die grundsätzlich nichts dagegen hätten, wenn Frauen Auto fahren dürften. Und es gibt sogar Männer in Saudi Arabien, die sich dafür einsetzen:

https://www.youtube.com/watch?v=aZMbTFNp4wI
Natürlich haben wir an diesem Abend nicht nur tief gehende Gespräche geführt. Wir waren auch in einem arabischen Club. Mein Freund hatte mir zuvor nicht gesagt, wohin wir gehen würden und so war ich nicht schlecht überrascht, als in dem (ziemlich noblen) Schuppen nur arabische Musik lief. Ich sah auch ausser mir keinen Nicht-Araber. Und die Dance-Moves sind leicht anders als an anderen Orten. Ich fand es aber grossartig und habe mich köstlich amüsiert. Nie im Leben wäre ich ohne einen Araber an einen solchen Ort gegangen. Wieder einmal mehr bin ich dankbar für eine solche Horizonterweiterung. Das Leben hält so viele tolle Momente bereit, wenn man sich nur darauf einlässt!
Dankbar bin ich auch, dass ich durch diesen Abend realisiert habe, dass ich zu wenig unternehme. Mein Ziel war es ursprünglich gewesen, mich mehr mit der hiesigen Kultur und der Sprache zu beschäftigen. Aber mein arabisch ist noch immer extrem schlecht (Er: Du sagst ja nur Sachen, die ich dir schon damals in San Francisco beigebracht habe, come ooooon!) und ich kenne noch keinen einzigen Araber (mit Ausnahme meiner marokkanischen Arbeitskollegin). Ich habe fest vor, das nun zu ändern.
Thank you my friend! :)
Ich freute mich wie verrückt, hatten wir doch über ein Jahr lang kaum Kontakt gehabt und erst vor 3 Wochen wiedermal miteinander geschrieben. Der Zufall wollte es, dass er ein verlängertes Wochenende in Dubai geplant hatte und wir entschieden uns, uns zu treffen.
Kennengelernt habe ich ihn, wie so viele andere Saudis, während meines Sprachaufenthalts in Kalifornien im Sommer 2015. Wir waren meistens als Gruppe unterwegs und unternahmen gemeinsam viele verrückte Dinge. Aber nicht nur das, ich hatte mit meinen Saudi Freunden auch viele gute Gespräche über das Leben im Allgemeinen und im Besonderen in Saudi Arabien. Ich durfte viele Eigenarten der Kultur und Religion dieses schwer zugänglichen und in der westlichen Welt so in Verruf geratenen Landes kennenlernen. Nun, als ich meinem Kollegen nach so vielen Monaten im Restaurant gegenüber sass, erinnerte ich mich schlagartig zurück an das, was ich an all den Erzählungen und Diksussionen damals in San Francisco so faszinierend gefunden hatte.
Er: Also, wie kommst du denn eigentlich dazu, gerade nach Dubai zu ziehen??
Ich: Ich habe dir doch schon erzählt, dass ich arabisch lerne und die arabische Kultur und Religion haben mich ja schon lange sehr interessiert.
Er: Ja, ich erinnere mich an die vielen guten Gespräche, die wir damals hatten...
Ich: Ich mich auch! Weisst du, es gibt so viele Vorurteile und Stereotypen über Araber, insbesondere Menschen von der arabischen Halbinsel. Ich möchte einfach gerne meine eigenen Erfahrungen sammeln, das Leben und die Menschen hier selbst kennenlernen und nicht nur nachreden, was andere Leute mir weismachen wollen.
Er: Ich sage dir, du wirst bald müde werden davon...
Ich: Wie meinst du das?
Er: Weisst du, die Leute haben ihre Ideen. Die Medien zeigen ein sehr negatives Bild der arabischen Welt und die Menschen wollen das halt glauben. Du kannst niemanden ändern, der eine vorgefertigte Meinung hat und nicht selber nachdenken möchte.
Ich: Ja, das ist mir klar. Ich möchte auch niemanden von irgendetwas überzeugen. Ich weiss, dass du recht hast. Ich mache das für mich. Wenn ich damit noch ein paar andere Leute zum Nachdenken bringe, ist das toll. Aber das kann nicht mein Hauptziel sein (...).
Er: Aber erzähl mal, wieso denn gerade Dubai? Weshalb nicht Bahrain oder so?
Ich: (ein wenig verlegen) Nun ja, wie soll ich das sagen... Dubai ist doch eine sehr offene Stadt, obwohl zur arabischen Welt gehörend. Da war ich mir sicher, dass das klappt. Über Bahrain weiss ich zu wenig, das stelle ich mir doch sehr streng und traditionell vor... Oder stell dir vor, ich erzähle meiner Familie und meinen Freunden: Ich gehe jetzt nach Saudi Arabien zum Arbeiten. Die würden mich echt komisch anschauen!
Er: Also bitte. Die Leute meinen immer, wir Araber seien alle so schlimm. Dabei sind wir doch auch nur ganz normale Menschen!
Ich: Das erzählst du MIR? Denkst du etwa, ich weiss das nicht? Ich glaube, es gibt kaum jemanden, der das besser weiss als ich!
Er: Ja okay, da hast du wohl recht. (lacht)
Wir sprechen über das Neujahr und Eid Al-Adha und ich stelle sicher, dass die Angaben in meinen vorherigen Blogeinträgen stimmen.
Er: Ja, an Eid Al-Adha schlachten wir für die Familie ein Tier. Ein Lamm, ein Schaf, eine Kuh oder ein Kamel... (Ich lache.) Hey, wieso lachst du?
Ich: Beim Stichwort Kamel erinnere ich mich zurück an so viele doofe Witze, die die Leute gemacht haben, als ich ihnen erzählte, dass ich nach Dubai ziehe. Von wegen "einen Sheikh heiraten" und "in der Schweiz eine Tankstelle eröffnen". Oder "Kamele nach Hause schicken". Meine Arbeitskollegen in der Schweiz haben sogar mal mit einer App überprüft, wie viele Kamele ich wert bin. Kennst du die App?
Er: Nein, erklär's mir.
Ich: Nun ja, man gibt ein, wie gross man ist, welche Haar- und Augenfarbe man hat und so weiter. Und dann rechnet die App für einen aus, wie viele Kamele man wert ist.
Er: Und, wie viele waren es bei dir?
Ich: Ich bin mir nicht mehr sicher, so um die 65? (Er schüttelt lachend den Kopf.)
Nachdem wir etwas gegessen hatten, machten wir uns auf den Weg zum Taxi. Ich erzählte ihm, dass ich kein Auto habe und auch keines kaufen möchte. Das konnte er nicht verstehen.
Ich: Na gut, was für ein Auto soll ich deiner Meinung nach kaufen?
Er: So eines da (zeigt auf einen Kleinwagen), aber noch ein wenig kleiner. Weil du ja nicht fahren kannst.
Ich: Aber sicher kann ich fahren!
Er: Nein.
Ich: Du warst ja nicht dabei, als ich in Las Vegas gefahren bin! A. und N. (beide aus Saudi) sassen auf dem Rücksitz und schliefen sogar auf dem Rückweg vom Grand Canyon nach Vegas!
Er: Trotzdem, du kannst nicht fahren. Ich würde nie ins Auto steigen, wenn du fährst.
Die letzte Aussage darf ironisch verstanden werden. Auch A. und N. hatten im Vorfeld unseres Ausfluges zum Grand Canyon wiederholt betont, dass ich auf keinen Fall fahren würde. Schlussendlich musste ich sie aber noch nicht einmal überreden und kriegte am Schluss noch Komplimente für die sichere Fahrt. ;-)
Natürlich stimmt es, dass Frauen in Saudi Arabien bis heute nicht selbst Auto fahren dürfen. Ich kenne aber einige, die grundsätzlich nichts dagegen hätten, wenn Frauen Auto fahren dürften. Und es gibt sogar Männer in Saudi Arabien, die sich dafür einsetzen:

https://www.youtube.com/watch?v=aZMbTFNp4wI
Natürlich haben wir an diesem Abend nicht nur tief gehende Gespräche geführt. Wir waren auch in einem arabischen Club. Mein Freund hatte mir zuvor nicht gesagt, wohin wir gehen würden und so war ich nicht schlecht überrascht, als in dem (ziemlich noblen) Schuppen nur arabische Musik lief. Ich sah auch ausser mir keinen Nicht-Araber. Und die Dance-Moves sind leicht anders als an anderen Orten. Ich fand es aber grossartig und habe mich köstlich amüsiert. Nie im Leben wäre ich ohne einen Araber an einen solchen Ort gegangen. Wieder einmal mehr bin ich dankbar für eine solche Horizonterweiterung. Das Leben hält so viele tolle Momente bereit, wenn man sich nur darauf einlässt!
Dankbar bin ich auch, dass ich durch diesen Abend realisiert habe, dass ich zu wenig unternehme. Mein Ziel war es ursprünglich gewesen, mich mehr mit der hiesigen Kultur und der Sprache zu beschäftigen. Aber mein arabisch ist noch immer extrem schlecht (Er: Du sagst ja nur Sachen, die ich dir schon damals in San Francisco beigebracht habe, come ooooon!) und ich kenne noch keinen einzigen Araber (mit Ausnahme meiner marokkanischen Arbeitskollegin). Ich habe fest vor, das nun zu ändern.
Thank you my friend! :)
Kommentare
Kommentar veröffentlichen