Samstag, 30. September 2017 - Wetterwechsel

Jeder Europäer kennt es: Man sitzt im Auto, draussen ist es kalt und die Scheiben sind beschlagen. Genau das Gleiche passiert hier auch - nur anders rum.

Das Wetter verändert sich. Es wird kühler und morgens liegt ein dicker weisser Dunst über der Stadt. Nächste Woche sollte es theoretisch nie wärmer als 40 Grad werden. Im ersten Moment denkt man sich "jupiiii!". Und dann geht man raus und merkt, dass es gar nicht so "jupiiii" ist. So ging es mir heute, als ich mich abends entschied, noch ein paar Besorgungen für die Schule zu machen.

Bereits beim Verlassen des Hauses merkte ich, dass die Luftfeuchtigkeit ziemlich hoch war. Aber es war auch noch relativ warm, deshalb ging es einigermassen. Dennoch war ich leicht verzweifelt, dass ich so lange auf ein Taxi warten musste und seeehr erleichtert, als dann endlich eines kam. Ich hatte eigentlich vorgehabt, in ein spezielles Geschäft zu gehen, wo man alle möglichen Dinge für die Schule kaufen kann. Aber leider war ich noch nie dort und der Taxifahrer kannte den Weg nicht. So landete ich stattdessen in der Al Barsha Mall. Jänu.

Als ich später dann wieder aus der Mall kam, war es bereits dunkel. Meine Brille beschlug sofort und nach wenigen Augenblicken klebten mir die Kleider am Körper. So richtig eklig also. Dabei hatte es nur etwa 32 Grad, also eigentlich kein Grund, ins Schwitzen zu kommen.

Ich wartete schon wieder ungewöhnlich lange auf ein Taxi. Es stand in einiger Entfernung von mir noch eine Frau, die bereits vor mir da gewesen war und offensichtlich auch ein Taxi benötigte. Ich dachte mir schon, dass ich wohl nie zu Hause ankommen würde, da hielt ein Taxi und die Frau winkte mich zu sich. Sie bot mir an, dass ich mit ihr mitfahren und das Taxi dann übernehmen könne. Obwohl das für mich ein Umweg war, willigte ich ein. Hauptsache raus aus dieser feuchten Luft.

Der Verkehr war enorm, sodass wir zunächst nur langsam vorankamen. Wir fuhren durch das Barsha-Viertel und ich hatte Zeit, mich umzuschauen. Die Scheiben des Taxis hatten sich beschlagen, am Schlimmsten war es bei der Windschutzscheibe. Der Taxifahrer betätigte immer wieder den Scheibenwischer, denn anders als in kälteren Klimazonen war die Scheibe nicht von innen, sondern von aussen beschlagen. Praktisch für den Fahrer, schade für die Fahrgäste, die keine lustigen Sachen auf die Scheiben schreiben oder malen können. ;-)

Wir fuhren an einigen Geschäften vorbei. Auch dort waren die Scheiben beschlagen. Teilweise so stark, dass sich kleine Rinnsale bildeten und das Wasser an den Scheiben runterlief. Kein schöner Anblick und auch kein schönes Gefühl - ich konnte mir aus eigener Erfahrung vorstellen, wie es der Scheibe gerade gehen musste. Auf einmal las ich den Schriftzug "Creative Minds": Da fuhren wir doch tatsächlich an dem Geschäft vorbei, in welches ich eigentlich gewollt hatte! Welche Ironie.

Während wir uns nur sehr langsam von Rotlicht zu Rotlicht durchkämpften, überlegte ich mir, wie dieses ganze Scheibenbeschlagen aus physikalischer Sicht passiert. Dazu muss ich noch sagen, dass ich in den naturwissenschaftlichen Fächern nie besonders helle war. Und irgendwie kommt mir immer, wenn ich mir solche Überlegungen mache, mein Klassenlehrer aus der Sekundarschule in den Sinn. Keine Ahnung wieso.

Auf jeden Fall muss das Ganze sich so abspielen: Die Luft hier ist ziemlich warm und mit Feuchtigkeit gesättigt. Grund für die hohe Luftfeuchtigkeit muss wohl das Meer sein, welches im Moment noch immer sehr warm ist, während sich die Luft in den Herbst- und Wintermonaten immer mehr abkühlt. Wenn nun also diese warme und sehr mit Feuchtigkeit gesättigte Luft auf die Scheibe trifft, kondensiert das Wasser und die Scheibe beschlägt. Je kälter es im Taxi (oder im Gebäude) ist, desto extremer ist der Effekt. Man kann also sozusagen von aussen sehen, wie stark jemand seine Wohnung, sein Geschäft oder sein Auto runterkühlt. Im Winter passiert in der Schweiz genau das Gegenteil, weil es draussen kalt ist und drinnen warm.

Diese Taxifahrt war nicht nur physikalisch gesehen sehr spannend, sondern auch bemerkenswert lange und teuer. Ich bin froh, dass ich schlussendlich doch noch zu Hause angekommen bin. Nun sitze ich in meiner Wohnung, bei welcher die Scheiben nicht beschlagen sind. Kein Wunder, ich habe meine Klimaanlage auch auf ungewöhnlich hohe 25 Grad eingestellt.


Kommentare

  1. Danke für den Physik-Unterricht; soviel hatte ich jeweils auch in etwa davon verstanden....

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    1. Das ist auch ungefähr das, was man im täglichen Leben so braucht. ;-)

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