Gerade mal zwei Wochen habe ich gearbeitet und schon steht das erste verlängerte Wochenende vor der Tür! Donnerstag bis Sonntag ist frei, weil einer der wichtigsten muslimischen Festtage gefeiert wird: Eid Al-Adha.
Zu Deutsch würde man dazu Opferfest sagen und die bibelfesten Leute unter den Lesern kennen auch die Geschichte dazu: Muslime gedenken an Eid Al-Adha Ibrahim (Abraham), der auf Gottes Befehl hin bereit gewesen wäre, seinen Sohn zu opfern. Schlussendlich hält Gott Ibrahim jedoch davon ab und Ibrahim bringt ein Tier als Opfer dar, wie Bibel und Qur'an berichten. Symbolisch dafür schlachten Muslime an Eid Al-Adha jeweils ein Tier, das sie mit ihrer Familie und armen Leuten teilen.
Die Geschichte von Ibrahim resp. Abraham wird zwar nicht in beiden Schriften genau gleich überliefert; beispielsweise wird in der Bibel erzählt, das Isaak geopfert werden soll, während es im Qur'an Ismael ist. Dennoch finde ich es schön, dass auch ich mich aus dem Blickwinkel meines religiösen Hintergrundes ein Stück weit mit diesem Fest identifizieren kann.
Ibrahim ist einer der wichtigsten Propheten im Islam, wird ihm doch unter anderem der Bau der Kaaba in Mekka zugeschrieben. So ist es vermutlich kein Zufall, dass gerade jetzt auch Pilgerzeit ist. Jeder Muslim sollte, ist er gesund und hat er die nötigen finanziellen Mittel dazu, einmal in seinem Leben in Mekka gewesen sein. Diese Pilgerfahrt nennt man Hajj und sie findet im letzten Monat des Islamischen Kalenders (Duh Al-Hijjah) statt, in welchem wir uns gerade befinden.
Unser Gregorianischer Kalender orientiert sich ja bekanntlich an der Sonne. Anders ist das jedoch beim Islamischen Kalender, welcher sich nach dem Mond richtet. Hier ein paar Hintergrundinfos dazu:
Der Islamische Kalender hat 12 Monate mit jeweils 29 oder 30 Tagen. Das bedeutet, dass die Jahre 11 Tage kürzer sind als im Gregorianischen Kalender. Ein neuer Monat beginnt jeweils bei Neulicht, das ist der Moment nach dem Neumond, bei welchem zum ersten Mal am Abend nach Sonnenuntergang wieder die zunehmende Mondsichel beobachtet werden kann.
Nun mögen sich die Leser fragen: Wozu all diese Infos? Die Antwort ist schlicht und einfach: Weil sich die Form dieses Kalenders in arabischen Ländern sehr auf den Alltag auswirken kann! Konkret bedeutet das zum Beispiel:
Die Monate verschieben sich innerhalb des Jahres. So beginnt der Fastenmonat Ramadan jedes Jahr 11 Tage früher im Vergleich zum Vorjahr. Lag Ramadan also die letzten Jahre im Hochsommer oder knapp vor den Schulferien, verschiebt er sich nun immer mehr in Richtung des Jahresbeginns. Dies wirkt sich hier auch auf den Alltag von Nichtmuslimen aus. Wie genau, kann ich euch dann im Mai sagen. ;-)
Ausserdem weiss man teilweise erst sehr kurzfristig, wann genau denn nun ein bestimmter Feiertag stattfindet, da man dafür zunächst auf den Mond schaut um herauszufinden, wann genau Neulicht ist. Dies kann sich +/- einen Tag verschieben. Somit weiss man auch erst kurzfristig, ob und wann man frei hat.
Gut, Feier- und Festtage sind hier sowieso anders, als man das aus der geordneten Schweiz kennt. Je nachdem wird ganz unvorhergesehen ein freier Tag eingeschoben, wenn His Highness Sheikh Muhammad bin Raschid Al Maktum, Herrscher von Dubai, dies entscheidet. So in der Vergangenheit beispielsweise geschehen, wenn dieser Geburtstag feierte. Oder als entschieden worden war, dass 2020 die Weltausstellung in Dubai stattfinden wird. Aus Schweizer Sicht unvorstellbar, schliesslich möchte man ja schon mindestens 5 Jahre im Voraus wissen, wann genau man denn jetzt frei kriegt! ;-)
Vielleicht möchten einige nun noch erfahren, wie ich denn Eid Al-Adha gefeiert habe. Gestern Abend habe ich mich dazu entschieden, dass ich mich doch endlich mal in traditioneller Kleidung vor die Türe wagen möchte. ;-) So zog ich mir meine Abaya an und fuhr mit einem Taxi in ein nahegelegenes Kaffee. Da Eid war, hatte es sehr viele Araber, die sich schön herausgeputzt hatten. Somit war ich kleidertechnisch in guter Gesellschaft. Dennoch hatte ich den Eindruck, dass ich schon ein wenig angeschaut wurde. Obwohl ich nicht die einzige westliche Frau bin, die eine Abaya besitzt! die Bedienung war auf jeden Fall sehr nett und hat mir zum Abschied "Eid Mubarak!" (dt.: Gesegnetes Fest!) gewünscht.
Eine kurze Erklärung: Abaya nennt man das lange schwarze Kleid, welches auf der arabischen Halbinsel und einigen Ländern Afrikas von Frauen getragen wird, wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegen. Man kann diese einfach über seine normalen Kleider anziehen, was auch ich gemacht habe. Um allfälligen Fragen vorzugreifen: Nein, man MUSS das hier als westliche Frau nicht anziehen, ich habe das freiwillig gemacht, da ich es tatsächlich sehr modisch und zum Ort passend finde. Und nein, ich hatte kein Kopftuch an. Das dazugehörige Tuch kann auch locker über die Schultern getragen werden, was ich auch schon öfter bei liberalen einheimischen Frauen gesehen habe.
Das bei uns oft mit Unterdrückung und Extremismus in Verbindung gebrachte Kleidungsstück ist hier nicht nur etwas religiöses, sondern auch ein Stück Kultur. Natürlich wird es auch oft in Verbindung mit einer Burqa getragen. Wer hier was freiwillig trägt oder dazu gezwungen wird, weiss ich nicht.
Kleidung ist hier, wie überall auf der Welt, etwas sehr persönliches. Es gibt eine Bandbreite verschiedener Ausprägungen von Verschleierung, von lose getragenem Kopftuch über Burqa bis hin zu einem Tuch, das das Gesicht völlig verdeckt. Die Möglichkeiten sind so verschieden wie die Frauen selbst.
Ich kenne diese Frauen, ihre familiären Hintergründe oder ihre religiösen Überzeugungen nicht. Deshalb liegt es mir fern, darüber zu urteilen, wie jemand sich kleidet. Ich sehe aber, dass die Abaya sehr modisch sein kann und es eine unglaubliche Vielzahl an verschiedenen Varianten gibt. Und ich habe den Eindruck, dass sie von vielen Frauen mit viel Stolz getragen wird.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen Eid Mubarak! :-)
Zu Deutsch würde man dazu Opferfest sagen und die bibelfesten Leute unter den Lesern kennen auch die Geschichte dazu: Muslime gedenken an Eid Al-Adha Ibrahim (Abraham), der auf Gottes Befehl hin bereit gewesen wäre, seinen Sohn zu opfern. Schlussendlich hält Gott Ibrahim jedoch davon ab und Ibrahim bringt ein Tier als Opfer dar, wie Bibel und Qur'an berichten. Symbolisch dafür schlachten Muslime an Eid Al-Adha jeweils ein Tier, das sie mit ihrer Familie und armen Leuten teilen.
Die Geschichte von Ibrahim resp. Abraham wird zwar nicht in beiden Schriften genau gleich überliefert; beispielsweise wird in der Bibel erzählt, das Isaak geopfert werden soll, während es im Qur'an Ismael ist. Dennoch finde ich es schön, dass auch ich mich aus dem Blickwinkel meines religiösen Hintergrundes ein Stück weit mit diesem Fest identifizieren kann.
Ibrahim ist einer der wichtigsten Propheten im Islam, wird ihm doch unter anderem der Bau der Kaaba in Mekka zugeschrieben. So ist es vermutlich kein Zufall, dass gerade jetzt auch Pilgerzeit ist. Jeder Muslim sollte, ist er gesund und hat er die nötigen finanziellen Mittel dazu, einmal in seinem Leben in Mekka gewesen sein. Diese Pilgerfahrt nennt man Hajj und sie findet im letzten Monat des Islamischen Kalenders (Duh Al-Hijjah) statt, in welchem wir uns gerade befinden.
Unser Gregorianischer Kalender orientiert sich ja bekanntlich an der Sonne. Anders ist das jedoch beim Islamischen Kalender, welcher sich nach dem Mond richtet. Hier ein paar Hintergrundinfos dazu:
Der Islamische Kalender hat 12 Monate mit jeweils 29 oder 30 Tagen. Das bedeutet, dass die Jahre 11 Tage kürzer sind als im Gregorianischen Kalender. Ein neuer Monat beginnt jeweils bei Neulicht, das ist der Moment nach dem Neumond, bei welchem zum ersten Mal am Abend nach Sonnenuntergang wieder die zunehmende Mondsichel beobachtet werden kann.
Nun mögen sich die Leser fragen: Wozu all diese Infos? Die Antwort ist schlicht und einfach: Weil sich die Form dieses Kalenders in arabischen Ländern sehr auf den Alltag auswirken kann! Konkret bedeutet das zum Beispiel:
Die Monate verschieben sich innerhalb des Jahres. So beginnt der Fastenmonat Ramadan jedes Jahr 11 Tage früher im Vergleich zum Vorjahr. Lag Ramadan also die letzten Jahre im Hochsommer oder knapp vor den Schulferien, verschiebt er sich nun immer mehr in Richtung des Jahresbeginns. Dies wirkt sich hier auch auf den Alltag von Nichtmuslimen aus. Wie genau, kann ich euch dann im Mai sagen. ;-)
Ausserdem weiss man teilweise erst sehr kurzfristig, wann genau denn nun ein bestimmter Feiertag stattfindet, da man dafür zunächst auf den Mond schaut um herauszufinden, wann genau Neulicht ist. Dies kann sich +/- einen Tag verschieben. Somit weiss man auch erst kurzfristig, ob und wann man frei hat.
Gut, Feier- und Festtage sind hier sowieso anders, als man das aus der geordneten Schweiz kennt. Je nachdem wird ganz unvorhergesehen ein freier Tag eingeschoben, wenn His Highness Sheikh Muhammad bin Raschid Al Maktum, Herrscher von Dubai, dies entscheidet. So in der Vergangenheit beispielsweise geschehen, wenn dieser Geburtstag feierte. Oder als entschieden worden war, dass 2020 die Weltausstellung in Dubai stattfinden wird. Aus Schweizer Sicht unvorstellbar, schliesslich möchte man ja schon mindestens 5 Jahre im Voraus wissen, wann genau man denn jetzt frei kriegt! ;-)
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| Meine Abaya |
Eine kurze Erklärung: Abaya nennt man das lange schwarze Kleid, welches auf der arabischen Halbinsel und einigen Ländern Afrikas von Frauen getragen wird, wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegen. Man kann diese einfach über seine normalen Kleider anziehen, was auch ich gemacht habe. Um allfälligen Fragen vorzugreifen: Nein, man MUSS das hier als westliche Frau nicht anziehen, ich habe das freiwillig gemacht, da ich es tatsächlich sehr modisch und zum Ort passend finde. Und nein, ich hatte kein Kopftuch an. Das dazugehörige Tuch kann auch locker über die Schultern getragen werden, was ich auch schon öfter bei liberalen einheimischen Frauen gesehen habe.
Das bei uns oft mit Unterdrückung und Extremismus in Verbindung gebrachte Kleidungsstück ist hier nicht nur etwas religiöses, sondern auch ein Stück Kultur. Natürlich wird es auch oft in Verbindung mit einer Burqa getragen. Wer hier was freiwillig trägt oder dazu gezwungen wird, weiss ich nicht.
Kleidung ist hier, wie überall auf der Welt, etwas sehr persönliches. Es gibt eine Bandbreite verschiedener Ausprägungen von Verschleierung, von lose getragenem Kopftuch über Burqa bis hin zu einem Tuch, das das Gesicht völlig verdeckt. Die Möglichkeiten sind so verschieden wie die Frauen selbst.
Ich kenne diese Frauen, ihre familiären Hintergründe oder ihre religiösen Überzeugungen nicht. Deshalb liegt es mir fern, darüber zu urteilen, wie jemand sich kleidet. Ich sehe aber, dass die Abaya sehr modisch sein kann und es eine unglaubliche Vielzahl an verschiedenen Varianten gibt. Und ich habe den Eindruck, dass sie von vielen Frauen mit viel Stolz getragen wird.
In diesem Sinne wünsche ich euch allen Eid Mubarak! :-)


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