Freitag, 25. August 2017 – Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…


So, jetzt habe ich bereits meine erste Arbeitswoche geschafft! Es war eine anstrengende, aber auch eine gute erste Woche. Ich freue mich nun umso mehr auf alles, was noch kommt!
 
Meinen ersten Arbeitstag hatte ich am vergangenen Sonntag (da hier die Woche ja am Sonntag beginnt). Normalerweise bin ich jemand, der sehr schnell nervös wird und sich viele Gedanken macht, wenn grosse Veränderungen bevorstehen oder etwas Neues beginnt. Das war dieses Mal überraschenderweise kaum der Fall. Zwar schlief ich in der Nacht auf Sonntag nicht besonders gut, aber ich startete dennoch ziemlich gelassen in den Tag. Nachdem ich übertrieben früh aufgestanden war, war ich zeitlich gut dran und sass pünktlich im Shuttle Bus. Diesen stellt die Schule den neuen Lehrpersonen für den Transfer zur Schule und wieder zurück nach Hause in den ersten Wochen zur Verfügung.

Im Bus sassen im ganzen etwa 10 - 15 neue Lehrpersonen. Bald kam ich ins Gespräch mit einer Kollegin, die eine 4. Klasse unterrichten wird und ein Stockwerk über mir wohnt. Ich merkte aus dem Gespräch und durch den allgemeinen Austausch im Bus schnell, dass Dubai für die meisten anderen nicht die erste Arbeitsstelle im Ausland ist. Viele haben schon vorher fern von der Heimat unterrichtet; Österreicher, die in den USA gearbeitet haben, Deutsche, die vorher in Qatar unterrichteten, Franzosen, eingeflogen aus Japan… die Liste ist lang. Und ich mittendrin. ;-)

Die ersten Arbeitstage bestanden hauptsächlich aus allgemeinen Infos und Kennenlernen.

An der SISD wird nach dem IB Program unterrichtet und ich habe schnell gemerkt, dass dieses einige Ähnlichkeiten mit unserem Schweizer Lehrplan 21 hat. Wie die Lehrpersonen unter den Lesern wissen, sind viele Ideen und Inhalte des Lehrplans 21 im bestehenden Schweizer Schulsystem aber leider kaum umsetzbar, da dieses auch stark politisch beeinflusst wird. Das ist beim IB anders und deshalb bin ich sehr gespannt, wie die konkrete Umsetzung sich gestalten wird.

Neben vielen Informationen zum IB Program gab es noch allgemeine schulinterne Infos und Einführungen in verschiedene Computerprogramme. Während einige ja bereits an unterschiedlichen Privatschulen unterrichtet haben und vieles von dort schon kennen, war das meiste davon für mich sehr neu. Dementsprechend ging ich auch jeden Tag mit einem vollen Schädel nach Hause. Wenigstens bei der Infoveranstaltung über Kultur und Religion in den VAE hatte ich das Gefühl, bereits gut vorinformiert zu sein, da ich ja viel Kontakt mit Leuten aus Saudi Arabien hatte und zum Teil noch habe. Aus diesem Grund kenne ich mich relativ gut mit den kulturellen Eigenheiten dieser Gegend aus. Vor allem habe ich aber den Eindruck, dass ich im Vergleich zu anderen stärker auf des Thema sensibilisiert bin, da ich mich direkt mit arabischstämmigen Leuten ausgetauscht habe und offen war für ihre Sichtweisen und Wahrnehmungen.

Am zweiten Tag, am Montag, habe ich dann auch meine direkte Stufen-Arbeitskollegin kennengelernt. Da ich im bilingualen Klassenzug auf deutsch unterrichten werde, habe ich sozusagen zwei Klassen, die ich mir im Wechsel mit jemand englischsprachigem teile. Dabei unterrichte ich eine bestimmte Zeit in einer Klasse, wahrend meine Kollegin in der anderen Klasse ist. Danach wird gewechselt. Und wieder können vor allem die Lehrpersonen unter euch sich vorstellen: Dafür braucht es gute Zusammenarbeit. Gott sei Dank hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass meine Kollegin und ich die gleiche Wellenlänge haben und so haben wir bereits begonnen, einige Dinge grob zu planen (vor allem was die Zimmereinrichtung angeht) und haben herausgefunden, dass wir in vielen Dingen ähnliche Grundsätze haben. Was ich sehr schön finde, ist, dass sie zwar Südafrikanerin ist, aber einige Jahre in der Schweiz gelebt hat und deshalb auch einiges über die Schweiz weiss. Es ist ihr sehr wichtig, dass das Schweizerische auch in unseren Klassenzimmern zur Geltung kommt – wahrscheinlich achtet sie darauf sogar noch mehr als ich. ;-)

Wie bereits gesagt, sind für mich an dieser Schule viele Dinge neu. Etwas davon ist, dass ich einen Teaching Assistant habe, der, respektive die, mir während der gesamten Unterrichtszeit assistierend zur Seite steht. Das ist ein riesiger Luxus und ich freue mich sehr, dass ich dieses Privileg geniessen kann. Wie schön ist es doch, wenn jemand zweites mitdenkt und mithilft, besonders wenn es mal eine unvorhergesehene Situation gibt!

Neben der Schule habe ich diese Woche natürlich auch ein paar andere Dinge gemacht. Am Sonntag war ich mit meiner Kollegin aus dem 4.Klass-Team zu Abend essen. Es ist super, mit ihr unterwegs zu sein, da sie bereits einmal in Dubai gewohnt hat und sich deshalb ein wenig auskennt. So war ich auch am Dienstag nach Feierabend mit ihr in Festival City, wo es eine IKEA gibt.

Am Mittwoch war ich dann mit einer Gruppe von Lehrpersonen in einer Sport Bar. Ganz ehrlich gesagt kam es mir komisch, als wir plötzlich aus der arabischen Wüste in dieses doch sehr englische Ambiente kamen. Auf einer Vielzahl von Fernsehdisplays liefen Sportprogramme, in der Menükarte hatte man die Auswahl zwischen mehreren verschiedenen Biersorten und Gerichten mit Schweinefleisch.

An diesem Abend lernte ich einen Kollegen aus der Suisse Romande näher kennen. Er ist in einer ziemlich ähnlichen Situation wie ich und aus ähnlichen Gründen wie ich hier: Erste Privatschule, erste Stelle im Ausland, einfach weil man das mal ausprobieren will. Neben dem Austauschen dieser Gemeinsamkeiten fand ich es ausserdem angenehm, wieder einmal mein Französisch trainieren zu können – es sassen nämlich nur französischsprechende Leute am gleichen Tisch wie ich.

Nachdem ich die “Swissness” am ersten Tag in der Schule ein wenig vermisste hatte, lernte ich  im Laufe dieser ersten Woche doch immer mehr Leute kennen, die auch aus der Schweiz kommen. Viele davon sogar aus der Deutschschweiz. ;-) Das hat mich sehr gefreut und ich geniesse es, ab und zu auch Schweizerdeutsch sprechen zu können.

Allgemein bin ich sehr zufrieden hier. Die nächsten zwei Wochen werden wir nun vermehrt den Unterricht und unsere Schulzimmer vorbereiten, bevor dann am 10. September die Schule beginnt.

Ich freu mi! J

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