So, jetzt habe ich bereits
meine erste Arbeitswoche geschafft! Es war eine anstrengende, aber auch eine
gute erste Woche. Ich freue mich nun umso mehr auf alles, was noch kommt!
Meinen ersten Arbeitstag
hatte ich am vergangenen Sonntag (da hier die Woche ja am Sonntag beginnt).
Normalerweise bin ich jemand, der sehr schnell nervös wird und sich viele
Gedanken macht, wenn grosse Veränderungen bevorstehen oder etwas Neues beginnt.
Das war dieses Mal überraschenderweise kaum der Fall. Zwar schlief ich in der
Nacht auf Sonntag nicht besonders gut, aber ich startete dennoch ziemlich
gelassen in den Tag. Nachdem ich übertrieben früh aufgestanden war, war ich
zeitlich gut dran und sass pünktlich im Shuttle Bus. Diesen stellt die Schule
den neuen Lehrpersonen für den Transfer zur Schule und wieder zurück nach Hause
in den ersten Wochen zur Verfügung.
Im Bus sassen im ganzen
etwa 10 - 15 neue Lehrpersonen. Bald kam ich ins Gespräch mit einer Kollegin, die
eine 4. Klasse unterrichten wird und ein Stockwerk über mir wohnt. Ich merkte
aus dem Gespräch und durch den allgemeinen Austausch im Bus schnell, dass Dubai
für die meisten anderen nicht die erste Arbeitsstelle im Ausland ist. Viele
haben schon vorher fern von der Heimat unterrichtet; Österreicher, die in den
USA gearbeitet haben, Deutsche, die vorher in Qatar unterrichteten, Franzosen,
eingeflogen aus Japan… die Liste ist lang. Und ich mittendrin. ;-)
Die ersten Arbeitstage
bestanden hauptsächlich aus allgemeinen Infos und Kennenlernen.
An der SISD wird nach dem
IB Program unterrichtet und ich habe schnell gemerkt, dass dieses einige
Ähnlichkeiten mit unserem Schweizer Lehrplan 21 hat. Wie die Lehrpersonen unter
den Lesern wissen, sind viele Ideen und Inhalte des Lehrplans 21 im bestehenden
Schweizer Schulsystem aber leider kaum umsetzbar, da dieses auch stark
politisch beeinflusst wird. Das ist beim IB anders und deshalb bin ich sehr
gespannt, wie die konkrete Umsetzung sich gestalten wird.
Neben vielen Informationen
zum IB Program gab es noch allgemeine schulinterne Infos und Einführungen in
verschiedene Computerprogramme. Während einige ja bereits an unterschiedlichen
Privatschulen unterrichtet haben und vieles von dort schon kennen, war das meiste
davon für mich sehr neu. Dementsprechend ging ich auch jeden Tag mit einem
vollen Schädel nach Hause. Wenigstens bei der Infoveranstaltung über Kultur und
Religion in den VAE hatte ich das Gefühl, bereits gut vorinformiert zu sein, da
ich ja viel Kontakt mit Leuten aus Saudi Arabien hatte und zum Teil noch habe.
Aus diesem Grund kenne ich mich relativ gut mit den kulturellen Eigenheiten
dieser Gegend aus. Vor allem habe ich aber den Eindruck, dass ich im Vergleich
zu anderen stärker auf des Thema sensibilisiert bin, da ich mich direkt mit
arabischstämmigen Leuten ausgetauscht habe und offen war für ihre Sichtweisen
und Wahrnehmungen.
Am zweiten Tag, am Montag,
habe ich dann auch meine direkte Stufen-Arbeitskollegin kennengelernt. Da ich
im bilingualen Klassenzug auf deutsch unterrichten werde, habe ich sozusagen
zwei Klassen, die ich mir im Wechsel mit jemand englischsprachigem teile. Dabei
unterrichte ich eine bestimmte Zeit in einer Klasse, wahrend meine Kollegin in
der anderen Klasse ist. Danach wird gewechselt. Und wieder können vor allem die
Lehrpersonen unter euch sich vorstellen: Dafür braucht es gute Zusammenarbeit.
Gott sei Dank hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass meine Kollegin und ich
die gleiche Wellenlänge haben und so haben wir bereits begonnen, einige Dinge
grob zu planen (vor allem was die Zimmereinrichtung angeht) und haben
herausgefunden, dass wir in vielen Dingen ähnliche Grundsätze haben. Was ich
sehr schön finde, ist, dass sie zwar Südafrikanerin ist, aber einige Jahre in
der Schweiz gelebt hat und deshalb auch einiges über die Schweiz weiss. Es ist
ihr sehr wichtig, dass das Schweizerische auch in unseren Klassenzimmern zur
Geltung kommt – wahrscheinlich achtet sie darauf sogar noch mehr als ich. ;-)
Wie bereits gesagt, sind
für mich an dieser Schule viele Dinge neu. Etwas davon ist, dass ich einen
Teaching Assistant habe, der, respektive die, mir während der gesamten
Unterrichtszeit assistierend zur Seite steht. Das ist ein riesiger Luxus und
ich freue mich sehr, dass ich dieses Privileg geniessen kann. Wie schön ist es
doch, wenn jemand zweites mitdenkt und mithilft, besonders wenn es mal eine
unvorhergesehene Situation gibt!
Neben der Schule habe ich
diese Woche natürlich auch ein paar andere Dinge gemacht. Am Sonntag war ich mit
meiner Kollegin aus dem 4.Klass-Team zu Abend essen. Es ist super, mit ihr
unterwegs zu sein, da sie bereits einmal in Dubai gewohnt hat und sich deshalb
ein wenig auskennt. So war ich auch am Dienstag nach Feierabend mit ihr in
Festival City, wo es eine IKEA gibt.
Am Mittwoch war ich dann mit
einer Gruppe von Lehrpersonen in einer Sport Bar. Ganz ehrlich gesagt kam es
mir komisch, als wir plötzlich aus der arabischen Wüste in dieses doch sehr
englische Ambiente kamen. Auf einer Vielzahl von Fernsehdisplays liefen
Sportprogramme, in der Menükarte hatte man die Auswahl zwischen mehreren
verschiedenen Biersorten und Gerichten mit Schweinefleisch.
An diesem Abend lernte ich
einen Kollegen aus der Suisse Romande näher kennen. Er ist in einer ziemlich
ähnlichen Situation wie ich und aus ähnlichen Gründen wie ich hier: Erste
Privatschule, erste Stelle im Ausland, einfach weil man das mal ausprobieren
will. Neben dem Austauschen dieser Gemeinsamkeiten fand ich es ausserdem
angenehm, wieder einmal mein Französisch trainieren zu können – es sassen
nämlich nur französischsprechende Leute am gleichen Tisch wie ich.
Nachdem ich die “Swissness”
am ersten Tag in der Schule ein wenig vermisste hatte, lernte ich im Laufe dieser ersten Woche doch immer mehr
Leute kennen, die auch aus der Schweiz kommen. Viele davon sogar aus der
Deutschschweiz. ;-) Das hat mich sehr gefreut und ich geniesse es, ab und zu
auch Schweizerdeutsch sprechen zu können.
Allgemein bin ich sehr
zufrieden hier. Die nächsten zwei Wochen werden wir nun vermehrt den Unterricht
und unsere Schulzimmer vorbereiten, bevor dann am 10. September die Schule
beginnt.
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